Zwei der reichsten Familien Europas steigen bei Trade Republic ein

Zwei der reichsten Familien Europas steigen bei Trade Republic ein – FinanceFWD

Bei einem spektakulären Geschäft wird Trade Republic mit 12,5 Milliarden Euro bewertet. Auch die italienische Autodynastie der Agnellis und der französische Luxusclan der Arnaults sichern sich laut Insidern Anteile an Deutschlands nun wertvollstem Start-up.

Dass Trade-Republic-Mitgründer Christian Hecker (36) kurz vor dem bisher größten Deal seines Lebens steht, war bereits vor ein paar Wochen bekannt. Nun sollen die Details feststehen. Investoren haben nach Angaben aus Kreisen, die mit der Angelegenheit vertraut sind, in einem spektakulären Geschäft für 1,2 Milliarden Euro Anteile des Berliner Neobrokers weiterverkauft. Die Firmenbewertung klettert damit auf 12,5 Milliarden Euro – was Trade Republic zum wertvollsten Start-up Deutschlands macht. Es ist ein Sekundärdeal: Kein frisches Geld in der Kasse der Firma, sondern Liquidität für bestehende Gesellschafter, zu einem Preis, der die Berliner in eine neue Liga hebt.

12,5 Milliarden Euro sind mehr als eine runde Zahl. Sie schieben Trade Republic vor andere deutsche Tech-Größen und machen aus einem Neobroker, der lange als App für Bruchteile und Sparpläne galt, das teuerste Start-up des Landes. Hecker, der das Unternehmen mit aufgebaut hat, wird mit 36 Jahren zum Gesicht eines Deals, der Family Offices und Industrieerbe anzieht, nicht nur klassische Wagniskapitalfonds. Der bisher größte Deal seines Lebens ist zugleich ein Marktpreis: So viel ist der Berliner Retail-Broker Investoren jetzt wert.

Besonders sichtbar ist, wer neu oder verstärkt an Bord kommt. Die italienische Autodynastie der Agnellis – über ihre Beteiligungsvehikel seit Jahrzehnten in Industrie, Medien und Finanzen verdrahtet – und der französische Luxusclan der Arnaults sichern sich Anteile. Dass ausgerechnet zwei der reichsten Familien Europas bei einem deutschen Neobroker zugreifen, sagt mehr über die Reife des Geschäfts als jede Produktfolie. Exor, LVMH-Umfeld, lange Horizonte: Das sind Käufer, die nicht den nächsten Seed-Hype suchen, sondern Plattformen mit Millionen Kundinnen und Kunden und einem Weg in den Kapitalmarkt.

Trade Republic hat den deutschen Wertpapiervertrieb für eine Generation geöffnet, die Filialbanken nicht mehr als ersten Zugang zur Börse betrachtet. Spareinlagen, Aktien, Anleihen, Krypto – die App ist zur Standardoberfläche geworden, gegen die sich Comdirect, Scalable und die Sparkassen messen lassen. Genau diese Stellung macht 1,2 Milliarden Euro an weiterverkauften Anteilen möglich. Wer rauswill, findet Abnehmer. Wer reinsieht wie Agnelli und Arnault, kauft nicht eine Idee, sondern eine Position im europäischen Retail-Kapitalmarkt.

Sekundärverkäufe in dieser Größe sind zugleich ein Ventil. Frühinvestoren und Mitarbeiterprogramme brauchen irgendwann einen Preis, an dem sich Anteile bewegen, ohne dass die Firma an die Börse muss. 12,5 Milliarden Euro liefern diesen Preis – und erzeugen Erwartungen: Wachstum, Regulierung, Internationalisierung müssen die Bewertung tragen. Für Hecker heißt der Deal Rückenwind und Druck in einem. Deutschlands wertvollstes Start-up kann sich keinen durchschnittlichen nächsten Jahresabschluss mehr leisten.

Die Kreise, die mit der Angelegenheit vertraut sind, beschreiben das Geschäft als gesetzt. Offen bleibt, wie sich die neue Gesellschafterkarte auf Strategie und Timing eines möglichen IPOs auswirkt. Agnellis und Arnaults sind keine typischen Flip-Investoren; ihr Einstieg kann die Privatheit verlängern oder den späteren Börsengang adeln. Für den Markt zählt zuerst die Zahl: 1,2 Milliarden Euro Umsatz in Anteilen, 12,5 Milliarden Euro Wert, Berlin vorn.

Christian Hecker hat den Neobroker an einen Punkt geführt, an dem Europas reichste Familien um Papiere bitten. Das spektakuläre Geschäft macht Trade Republic zum Maßstab der deutschen Start-up-Szene. Alles darunter ist ab jetzt das restliche Feld. 1,2 Milliarden Euro für weiterverkaufte Anteile haben diesen Maßstab gesetzt – bei 12,5 Milliarden Euro Firmenwert.