Zinsportal Raisin erzielt Rekordergebnis

Das Vorzeige-Fintech von CEO Tamaz Georgadze, einst bekannt geworden unter der Marke Weltsparen, meldet für 2024 eine massive Gewinnsteigerung. Bei der hauseigenen Bank allerdings kommt es zu Millionenverlusten – sie wird nun umstrukturiert. Was die Zahlen verraten.
Beim Berliner Fintech Raisin herrscht Partystimmung. Schon vor ein paar Wochen hat sich das Unternehmen einen neuen Werbespruch beim europäischen Markenamt gesichert: „Oh, wie zinst das schön“, eine Abwandlung des Schlagerklassikers, den Ballermann-Größen wie Mickie Krause (55) und Jürgen Drews (80) zu einer Party- und Stadionhymne gemacht haben. Noch ist der Slogan bei Raisin nicht im Einsatz, einen Grund zu feiern gibt es aber: Tamaz Georgadze (47), CEO und Mitgründer, kann für 2024 einen Nettogewinn von rund 30 Millionen Euro vermelden – fast 35 Mal so viel wie im Vorjahr. Das geht aus dem Konzernabschluss hervor, den Raisin über den Bundesanzeiger veröffentlicht hat.
30 Millionen Euro nach Steuern sind für ein Zinsportal, das einmal als Weltsparen Tages- und Festgeld ausländischer Banken an deutsche Sparer vermittelte, ein Erwachsenenwerden in der Gewinn-und-Verlustrechnung. Das Zinsjahr 2023/24 hat dem Modell in die Karten gespielt: Wer Angebote vieler Banken vergleichbar macht, kassiert Vermittlung, während Kundinnen und Kunden den höheren Satz suchen. Fast das 35-Fache zum Vorjahr heißt vor allem, dass die Basis niedrig war – und dass das wiedererwachte Zinsgeschäft den Hebel brutal nach oben gezogen hat.
Die Party hat einen Keller. Bei der hauseigenen Bank kommt es zu Millionenverlusten; sie wird nun umstrukturiert. Raisin ist nicht mehr nur Marktplatz. Mit einem eigenen Institut im Konzern sitzt das Fintech auf Lizenz, Bilanz und den Kosten, die eine Bank verursacht, auch wenn das Portal oben glänzt. Verluste in Millionenhöhe im Bankteil bei gleichzeitig 30 Millionen Euro Konzerngewinn zeigen die Schieflage: Das Vermittlungsgeschäft trägt, das Bankbuch belastet. Die Umstrukturierung soll genau diese Differenz sortieren – was zur Bank gehört, was zum Plattformgeschäft, welche Kosten bleiben.
Georgadze hat Raisin über mehr als ein Jahrzehnt von einem Nischenvermittler zu einem europäischen Zinsmarktplatz gebaut, der Banken in ganz Europa an Einleger in Deutschland, Österreich, den Niederlanden und darüber hinaus koppelt. Die Marke Weltsparen ist für viele Kundinnen noch immer der Name auf der App, Raisin der Konzernname für Investoren. Der Bundesanzeiger macht sichtbar, was die Party-Rhetorik nicht sagt: Der Konzern verdient. Die Bank nicht.
Für die Bewertung des Vorzeige-Fintechs sind beide Seiten relevant. Ein Nettogewinn von rund 30 Millionen Euro legitimiert Wachstumsgeschichten, die in den Nullzinsjahren auf Hoffnung liefen. Zugleich bleibt eine Banktochter mit Millionenverlusten ein Risiko für Aufsicht, Eigenkapital und Aufmerksamkeit. Umstrukturieren heißt hier nicht Kosmetik: Es geht darum, ob Raisin eine Plattform mit Banklizenz ist oder eine Bank, die nebenbei Zinsen vergleicht. Die Zahlen von 2024 ziehen die Plattform nach vorn und die Bank zurück.
Der Slogan „Oh, wie zinst das schön“ ist noch in der Schublade des Markenamts. Er passt zur Stimmung im Portal und weniger zur GuV der Bank. Mickie Krause und Jürgen Drews haben aus dem Schlager eine Hymne gemacht, die überall gespielt werden kann. Raisin muss entscheiden, ob es denselben Leichtsinn in der Werbung will, während intern umgebaut wird. Georgadze kann das Rekordergebnis feiern. Lesen muss man den Abschluss trotzdem bis zur Bankzeile.
Was die Zahlen verraten, ist damit nüchtern: Das Zinsportal verdient so stark wie nie, weil Vermittlung in einem Hochzinsfenster skaliert. Die hauseigene Bank kostet Millionen und wird neu aufgestellt. Beides ist 2024 wahr. Die Partystimmung im Berliner Fintech hat eine Berechtigung – und eine Fußnote im Bundesanzeiger, die nicht tanzt.