Wie sich die N26-Stars über viele Jahre in den Abstieg gespielt haben

Wie sich die N26-Stars über viele Jahre in den Abstieg gespielt haben – FinanceFWD

Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal stehen bei N26 vor dem Aus. Die stete Kritik der Bafin hat Investoren und Aufsichtsräte verärgert, auch wirtschaftlich läuft es nicht mehr so wie erhofft. Die detaillierte Geschichte eines unnötigen Abstiegs.

Es war ein ungewöhnliches Treffen im Frühjahr, das für Valentin Stalf (39) und Maximilian Tayenthal (45) den Anfang vom Ende markierte. Seit Jahren waren die beiden es gewohnt, dass man ihnen zuhört und auf ihre Ansagen wartet. Sind sie doch die Gründer und Co-Chefs von N26, einem der wertvollsten deutschen Start-ups: Multimillionäre mit viel Macht, Topstars der deutschen Techszene. Bei dem Termin in Bonn, zu dem sie mit Vorstandskollegen aus Berlin angereist waren, blieb ihnen plötzlich nur die Rolle von sehr passiven Zuhörern.

Was da auf sie einprasselte, war verheerend. Die Finanzaufsicht Bafin hatte geladen, um über die Ergebnisse einer Sonderprüfung von Ende 2024 zu sprechen; der scheidende Chef Raimund Röseler (62) war persönlich dabei. Seine Leute hatten sich das Risikomanagement der Digitalbank vorgenommen. Und N26 war in wichtigen Teilen durchgefallen. Mal wieder.

Die Bafin-Beamten hätten den Besuchern eine durchaus laute Standpauke gehalten, berichten Personen, die mit den Details des Treffens vertraut sind. Bei der Behörde hatte sich viel Frust entladen. „Es wurde schnell klar, dass die Aufsicht die beiden Gründer als wesentlichen Teil des Problems sieht. Und dass sie bezweifelt, dass die beiden auch Teil der Lösung werden können“, erzählt ein Insider.

Die Szene in Bonn ist die Zuspitzung einer Beziehung, die sich über Jahre verschlechtert hat. Schon 2021 hatte die Bafin N26 eine Wachstumsbremse verordnet, einen Sonderbeauftragten ins Haus geschickt und Mängel bei Geldwäscheprävention und Organisation moniert. Zeitweise durfte die Bank nur 50.000 Neukunden pro Monat aufnehmen – nach Hochphasen mit dem Drei- bis Vierfachen. Im Juni 2024 galten die Auflagen als beendet. Stalf feierte das öffentlich als Beweis harter Arbeit. Wenige Monate später lag der nächste Prüfungsbericht auf dem Tisch: Risikomanagement, Kreditgeschäft, erneut durchgefallen.

Im Zentrum der aktuellen Kritik steht unter anderem das niederländische Hypothekengeschäft über die Tochter Neo. Wohnkredite skalieren Bilanzen schnell, binden Kapital und verlangen ein Kreditrisikomanagement, das Digitalbanken oft erst aufbauen müssen. Für eine App-Bank, deren Markenkern Girokonto und Karte sind, ist das ein Sprung in ein Geschäft, das klassische Institute mit Jahrzehnten an Daten und Prozessen betreiben. Die Aufsicht misst N26 nicht am Start-up-Narrativ, sondern am Kreditwesengesetz.

Gleichzeitig ist der Glanz der Bewertungsjahre verblasst. 2021 galt N26 als eines der teuersten deutschen Start-ups, getragen von Wachstumsfantasien und billigem Kapital. Seither haben Investoren gelernt, dass Lizenz, Compliance und Profitabilität teurer sind als App-Downloads. Die wirtschaftlichen Zahlen bleiben hinter dem zurück, was eine Bank dieses Namens an der Börse einmal versprechen wollte. Aufsichtsräte, die Jahre lang die Gründer gehalten haben, hören nun aus Bonn, dass genau diese Gründer das Problem sind – und rechnen aus, ob ein IPO mit diesem Duo überhaupt denkbar ist.

Stalf und Tayenthal halten zusammen noch einen relevanten Anteil und sind als Gesichter der Marke untrennbar mit N26 verbunden. Gerade das macht den Abstieg so bitter: Dieselbe Unbedingtheit, mit der sie eine Smartphone-Bank gegen Filialinstitute durchgesetzt haben, gilt der Aufsicht als Führungsrisiko. Ein gesichtswahrender Rückzug ins Kontrollgremium, ein erweiterter Vorstand mit Bankveteranen, ein neuer operativer Chef – solche Varianten liegen auf dem Tisch. Die Alternative wäre ein offener Machtkampf vor der Hauptversammlung.

Unnötig wirkt der Abstieg, weil das Muster bekannt war. Andere Fintech-Banken haben nach der ersten Bafin-Runde Governance und Kreditprozesse umgebaut, bevor die nächste Prüfung kam. N26 feierte 2024 die gelösten Fesseln und lief in die nächste. In Bonn saßen zwei Stars, die nicht mehr angesagt wurden. Die Frage ist nicht mehr, ob sich etwas ändert – sondern ob Stalf und Tayenthal die Änderung noch selbst gestalten oder ob Aufsicht und Investoren sie für sie beschließen.