Wie der Börsengang die Macht des Klarna-Chefs zementiert

Schon 2024 war Sebastian Siemiatkowski einer der bestbezahlten Bankmanager Europas, wie Details des Börsenprospekts verraten. Mit dem IPO wird der Mitgründer und CEO des Fintechs wohl zum Milliardär und sichert sich den Einfluss über Superaktien.
Es ist eine Aufsteigergeschichte, wie sie in Amerika gern gefeiert wird: Siemiatkowski (43) ist als Sohn polnischer Einwanderer in Schweden geboren und in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen. „Wir haben uns zeitweise eine Woche lang Mahlzeit für Mahlzeit von schwedischen Pfannkuchen ernährt, die im Prinzip nur aus Mehl und Milch bestehen“, erzählte er einmal. „Meine Eltern konnten sich nichts anderes leisten.“ Später jobbte er selbst bei Burger King, um etwas eigenes Geld zu verdienen. Die Anekdote gehört zum Inventar seiner öffentlichen Biografie – und sie trifft den Ton, den US-Börseninvestoren bei Gründer-CEOs hören wollen: Herkunft, Hunger, Kontrolle.
Jetzt nähert er sich dem Höhepunkt seiner Karriere. Läuft alles nach Plan, wird er in wenigen Wochen das Finanzunternehmen Klarna an die Börse in New York bringen. Die angestrebte Bewertung liegt bei 15 Milliarden Dollar – es wäre einer der größten Börsengänge des Jahres. Und Siemiatkowski, das zeigen die Details des bei der US-Börsenaufsicht SEC veröffentlichten IPO-Prospekts, wäre einer der größten Profiteure. Nicht nur finanziell sahnt der CEO ordentlich ab – er bleibt auch der mächtige Mann im Unternehmen. Superaktien, also Aktien mit überproportionalen Stimmrechten, zementieren Einfluss, wenn das Kapital neuer Investoren die Cap Table verwässert.
15 Milliarden Dollar sind für Klarna beides: Comeback-Zahl und Relativierung. Das Buy-now-pay-later-Unternehmen war auf dem Höhepunkt des billigen Geldes weit höher bewertet worden und musste danach den Abstieg der privaten Marktpreise mitvollziehen. Der Gang an die NYSE soll diese Geschichte in eine börsenfähige Erzählung übersetzen: profitabler, disziplinierter, amerikanischer. Der Prospekt ist dafür das maßgebliche Dokument. Er legt offen, was in europäischen Fintechs oft intern bleibt – Vergütung, Stimmrechte, wie viel vom Aufstieg beim Gründer hängen bleibt.
Dass Siemiatkowski schon 2024 zu den bestbezahlten Bankmanagern Europas zählte, folgt aus eben diesem Prospekt. Klarna ist kein reines Tech-Label; das Unternehmen operiert mit Banklizenz, vergibt Kredit, refinanziert Forderungen. Der CEO eines solchen Hauses ist Bankmanager, auch wenn die Marke nach Checkout und App aussieht. Hohe Vergütung vor dem IPO ist in US-Filings oft die Kombination aus Gehalt, Bonus und anteilsbasierten Instrumenten. Sie erklärt, warum der Börsengang für ihn nicht erst der Beginn des Reichtums wäre, sondern die Sichtbarmachung eines bereits laufenden.
Die Superaktien sind die politisch heiklere Stelle. Dual-Class-Strukturen sind in New York üblich, in Europa umstritten. Sie erlauben Gründern, Kapital aufzunehmen, ohne die Kontrolle abzugeben. Für Siemiatkowski heißt das: Milliardär werden und trotzdem bestimmen, wie Klarna Kredit, Risiko und Expansion steuert. Für neue Aktionäre heißt es: Sie kaufen Wachstum, nicht die Mehrheit der Stimmen. Der Prospekt macht diesen Tausch transparent. Ob Investoren ihn akzeptieren, entscheidet über den Erfolg des IPO ebenso wie die 15-Milliarden-Dollar-Marke.
Die Pfannkuchen-Geschichte wird am Listing Day ihre zweite Karriere beginnen. Sie steht neben einem CEO, der zu den Topverdienern der europäischen Bankenbranche gehört und mit dem Börsengang in die Liga der Tech-Milliardäre aufrücken kann. Beides ist wahr, beides steht im Prospekt der SEC oder in seiner erzählten Biografie: Sohn polnischer Einwanderer, Burger-King-Job, später einer der bestbezahlten Bankmanager Europas, nun Superaktien und eine angestrebte Bewertung von 15 Milliarden Dollar in New York. Klarna will dort nicht nur Geld einsammeln. Das Unternehmen will die Machtarchitektur festziehen, die Siemiatkowski über Jahre gebaut hat – öffentlich, reguliert, mit Superaktien im Kleingedruckten. Ob der IPO einer der größten des Jahres wird, hängt an dieser Bewertung. Ob der Gründer der mächtige Mann bleibt, hängt an den Stimmrechten.