Welche Banken den neuen Schufa-Score einsetzen

Welche Banken den neuen Schufa-Score einsetzen – FinanceFWD

Wohl kein Unternehmen sammelt so viele sensible Daten über die Deutschen wie die Wiesbadener Auskunftei Schufa. Ab nächster Woche soll ein neuer Score die Kreditwürdigkeit der Deutschen nachvollziehbarer bewerten. Einige Banken sind von Anfang an dabei.

Je höher die Zahl, desto besser – das ist bislang das eingängige Prinzip der geheimen Formel, mit der die Schufa die persönliche Kreditwürdigkeit der Deutschen bewertet. Die Zahl, auf deren Basis Banken oder Handelsunternehmen über Kredit- und Kundenverträge entscheiden, gilt als quasi amtlicher Ausweis der individuellen Zahlungsfähigkeit. An diesem Grundprinzip hält die Wiesbadener Auskunftei auch fest, wenn sie in der nächsten Woche eine neue Bewertungsmethode einführt. Ansonsten wird aber vieles einfacher: Die bislang etwa 100 Kriterien, die in den Score einfließen, reduzieren sich auf gerade mal ein Dutzend. Und mit der oft kritisierten Geheimniskrämerei soll auch Schluss sein.

Die Reform kommt nicht aus Jux. Verbraucher, Gerichte und der europäische Datenschutz haben die Blackbox angegriffen, in der ein Score entstand, den niemand erklären konnte, der aber über Dispo, Handyvertrag und Wohnung mitentschied. Eine Auskunftei, die so viele sensible Daten sammelt wie kaum ein zweites Unternehmen im Land, kann sich eine Formel aus rund 100 versteckten Stellschrauben politisch nicht mehr leisten. Ein Dutzend nachvollziehbarer Faktoren ist das Angebot an diese Kritik: weniger Hexenwerk, mehr Checkliste.

Was bleibt, ist die Macht der Zahl. Banken werden weiter auf den Score schauen, weil er billiger und schneller ist als eine vollständige Haushaltsrechnung für jeden Kleinkredit. Einige Institute sind von Anfang an dabei – ein Signal, dass der neue Wert nicht nur eine Verbraucher-PR-Nummer ist, sondern in Produktionsprozesse eingespeist wird. Andere werden warten, ihre Modelle kalibrieren, Altverträge auf den neuen Maßstab umstellen. Für Kundinnen und Kunden entsteht eine Übergangszeit, in der derselbe Mensch je nach Bank noch den alten oder schon den neuen Stempel trägt.

Nachvollziehbarkeit heißt nicht Automatismus zugunsten des Antragstellers. Wer Zahlungsstörungen hat, oft umzieht oder viele Kreditanfragen sammelt, wird auch in einem Dutzend Kriterien schlecht dastehen. Der Unterschied ist, dass sich das Gespräch mit der Bank künftig um benennbare Punkte drehen kann statt um eine geheime Gesamtwolke. Genau das war der Vorwurf: Die Schufa entschied mit, ohne dass der Betroffene die Stellschrauben kannte.

Für den Kreditmarkt ist die Umstellung eine Infrastrukturentscheidung. Scoring ist in Deutschland die Schienen, auf denen Konsumentenkredite, Karten und oft auch der nächste Handyvertrag fahren. Wenn Wiesbadens Formel transparenter wird, ändert das nicht die Geschäftspolitik der Sparkasse, wohl aber die Legitimität des Tools. Einige Banken, die von Tag eins mitgehen, wetten darauf, dass der neue Score vor Gerichten und in der Öffentlichkeit robuster ist.

Für den Handel und die Telekomwirtschaft ist der Score oft dasselbe Tor wie für die Bank. Ein nachvollziehbareres Modell kann Ablehnungen erklärbarer machen – und Klagen teurer, wenn die Auskunftei die eigenen zwölf Faktoren nicht sauber belegt. Transparenz ist ein Verbraucherschutz und ein Haftungsrisiko. Die Schufa tauscht Geheimnis gegen Begründbarkeit. Einige Banken, die sofort umstellen, rechnen damit, dass dieser Tausch vor Gerichten haltbarer ist als die alte Formel aus 100 versteckten Kriterien.

Ab nächster Woche beginnt der Praxistest. Das Prinzip „je höher, desto besser“ bleibt. Die Geheimniskrämerei soll weichen. Ob daraus fairere Kredite werden oder nur eine besser erklärte Ablehnung, hängt davon ab, wie ernst die Institute das Dutzend Kriterien nehmen – und ob die Schufa die neue Offenheit durchhält, sobald der Score wieder streitet. Die Zahl bleibt mächtig. Sie soll wenigstens verständlich sein.