Trump-Manager baut deutsche Solarautofirma Sono Motors zur Bitcoinbude um

Trump-Manager baut deutsche Solarautofirma Sono Motors zur Bitcoinbude um – FinanceFWD

Die Münchner Solarautofirma Sono Motors wollte einst die Branche revolutionieren. Inzwischen führt ein Mann aus Donald Trumps Firmenreich die Börsenhülle – und setzt voll auf Bitcoin. Die deutsche Truppe will trotz Insolvenz weiterkämpfen.

Mit Sono Motors war mal die Vision einer besseren Welt verknüpft. Laurin Hahn (32) und Jona Christians (33), zwei Klimarebellen von der Waldorfschule, wollten vor gut zehn Jahren ein Elektroauto mit Solarpanels auf dem Dach bauen, das einen Teil seiner Antriebsenergie selbst produziert. Die schöne Sonnenidee überzeugte vor allem umweltbewusste Privatanleger, die anfangs per Crowdfinanzierung mehrere Millionen Euro für das Projekt spendeten. Doch die Ambition verpuffte schnell.

Weniger als zwei Jahre nach dem Börsengang an der US-amerikanischen Nasdaq meldeten die Gründer für die deutsche Tochter das erste Mal Insolvenz an. Kurz darauf gingen sie von Bord, der Börsenwert von einst mehr als 2 Milliarden Dollar ist inzwischen um etwa 99 Prozent eingebrochen. Das Solarauto ist längst Geschichte, Sono versuchte sich zuletzt noch als Zulieferer. Doch auch das ist vorbei. Jetzt will der neue CEO, der nebenbei ausgerechnet eine der wichtigsten Firmen der Trump-Familie managt, aus Sono eine Kryptofirma machen. Weiter weg von der Urvision geht es kaum.

Die börsennotierte Hülle heißt Sono Group und notiert weiter in den USA. Genau das macht sie für eine bestimmte Sorte Kapitalmarktstrategen interessant: ein Ticker, eine Restliquidität, eine Geschichte, die niemand mehr glaubt – und die Möglichkeit, das Vehikel auf Bitcoin umzustellen. Das Vorbild ist bekannt: börsennotierte Gesellschaften, die ihr Treasury in die Kryptowährung legen und sich als gehebeltes Bitcoin-Papier verkaufen. Der neue Chef, der parallel Geschäfte im Trump-Firmenreich führt, folgt dieser Mode. Aus einem Münchner Klima-Start-up wird eine Digital-Asset-Kasse mit Nasdaq-Listing.

Für die deutsche Truppe ist das eine Zäsur, keine Fußnote. Die operative Tochter in München hat das Solarauto nicht in Serie gebracht, danach das Zuliefergeschäft für Solartechnik an Fahrzeugen versucht und dabei erneut unter Insolvenzdruck geraten. Wer dort noch arbeitet oder das Projekt retten will, kämpft um ein industrielles Restgeschäft, während die Konzernmutter in den USA den Stecker zieht und Kapital in Bitcoin umleitet. Die Crowdfunding-Anleger von einst, die ein Auto mit Sonnenzellen finanzieren wollten, halten im Zweifel Papiere an einer Gesellschaft, deren Zweck sich in sein Gegenteil verkehrt hat.

Die Ironie ist grob. Hahn und Christians kamen mit dem Gestus der Waldorfschule und der Klimabewegung, sammelten Millionen von Kleinanlegern, gingen in den USA an die Börse und verloren innerhalb weniger Jahre fast den gesamten Börsenwert. Der Mann, der die Hülle jetzt steuert, kommt aus dem Umfeld von Donald Trump – einem Präsidenten, dessen politische Marke mit fossiler Energie und Kulturkampf verknüpft ist, nicht mit Solarmodulen auf Kompaktwagen. Bitcoin als Treasury-Strategie braucht keine Fabrik in München. Sie braucht eine Börsennotierung, regulatorische Spielräume in den USA und die Bereitschaft, das Altgeschäft abzuschreiben.

Dass die deutsche Mannschaft trotzdem weiterkämpfen will, gehört zur Sono-Geschichte dazu. Schon nach der ersten Insolvenz gab es Versuche, Technologie, Patente oder das Zuliefergeschäft in einer kleineren Struktur zu halten. Ob das ohne das Geld und den Ticker der Mutter gelingt, ist offen. Eine GmbH in der Krise gegen eine Nasdaq-Gesellschaft mit Krypto-Agenda: Das Kräfteverhältnis ist eindeutig.

Sono Motors sollte beweisen, dass ein deutsches Start-up ein Auto neu erfinden kann. Geblieben sind eine Börsenhülle, ein 99-prozentiger Kursverlust und ein CEO aus Trumps Firmenreich, der auf Bitcoin setzt. Die Vision einer besseren Welt ist abgewickelt. Was an der Nasdaq weiterläuft, ist ein anderes Unternehmen – nur der Name erinnert noch an die Solarpanels auf dem Dach.