Trade Republic bietet Private-Equity-Investments ab einem Euro an

Der Neobroker von Christian Hecker vollzieht eine strategische Wende und wird stärker zu einer Vermögensverwaltungsplattform. Er bietet künftig auch Private-Equity-Investments an und kooperiert dafür mit den Giganten EQT und Apollo. Nutzer können damit in nicht-börsennotierte Unternehmen investieren.
Vier Tage ließ Trade Republic die Öffentlichkeit über das neueste Produkt rätseln: „From Chart to Pie“ hatte der Berliner Neobroker es überschrieben und bereits ab Donnerstag in den sozialen Medien einen Vortrag dazu für Sonntagabend angekündigt. Auf der Diskussionsplattform Reddit flüchteten sich Trade-Republic-Nutzer schon in Sarkasmus, als sie debattierten, was dahinterstecken könnte. „Würde gern überhaupt mal wieder meinen Chart sehen“, klagte einer.
Am Sonntagabend schließlich erschien Trade-Republic-Mitgründer Christian Hecker (36) in Steve-Jobs-Manier in schlichtem, dunklem Pullover und dunkler Hose zur ersten Keynote seines Unternehmens, die per Instagram und YouTube übertragen wurde. Trade Republic, verkündete er, werde die Anlagemöglichkeiten auf seiner Plattform ausbauen. Die inzwischen rund zehn Millionen Kundinnen und Kunden sollen künftig auch in Fonds von Private-Equity-Gesellschaften investieren können und damit in Unternehmen, die nicht börsennotiert sind. Dafür kooperieren die Berliner mit der schwedischen Investmentgesellschaft EQT und dem US-Finanzinvestor Apollo.
Der Satz „From Chart to Pie“ ist die Strategie in einem Wortspiel: weg vom Trading-Bildschirm, hin zur Vermögensaufteilung. Trade Republic hat Millionen mit sparplanfähigen ETFs, Zinsen auf Cash und einer App gewonnen, die Brokerage wie Banking anfühlt. Private Markets sind der nächste Baustein, den Wealth Manager seit Jahren in Folien packen. EQT und Apollo liefern die Markennamen, an denen Family Offices schon hängen; die EU liefert mit ELTIFs das Vehikel, das Kleinanlegern den Zugang juristisch öffnet. Einstieg schon ab einem Euro, so die öffentliche Linie des Hauses – psychologisch genial, ökonomisch nur der Anfang der Aufklärungspflicht.
Denn Private Equity ist kein zweiter MSCI World. Die Fonds sind teurer, weniger liquide, die Bewertungen seltener, Rückgaben an Fenster und Gegenliquidität gebunden. Wer EQT und Apollo kauft, kauft deren Netz, deren Gebühren und deren Zeitbedarf. Zielrenditen im zweistelligen Bereich, wie sie in der Branche kursieren, sind Versprechen vor Kosten, nicht das, was nach fünf Jahren auf dem Handy steht. Hecker weiß das und inszeniert trotzdem den Moment als Demokratisierung. Zehn Millionen Kunden sind ein Vertriebskanal, den kein Platzierungsprospekt der alten Welt erreicht. Genau darin liegt der Interessenkonflikt: Was für Apollo und EQT ein neuer Geldstrom ist, muss für den Lehrer mit 50-Euro-Sparplan nicht dasselbe Produkt sein.
Für Trade Republic ist der Schwenk existenziell. Ein reiner Neobroker lebt von Trades und Zinsmarge; ein Wealth Manager lebt von Assets, die liegen bleiben. Pie statt Chart bedeutet weniger Churn, mehr Advice-Light, eine Bewertung, die näher an einer Bank als an einer Trading-App liegt. Zwei weitere Anlageklassen hat das Unternehmen für die kommenden Monate angekündigt, im Abstand von jeweils etwa einem Monat – ohne sie in der Keynote schon auszubreiten. Die Richtung ist klar: Alles, was in ein Musterportfolio gehört, soll in der App liegen.
Reddit hat den Chart vermisst. Das ist die Stimme der Kernklientel, die Trade Republic groß gemacht hat: Trader, Sparplan-Nutzer, Leute, die Kurse sehen wollen, nicht geschlossene Fonds. Hecker antwortet mit Pullover, Keynote und den schwersten Namen der Private-Märkte. Die Wende zur Vermögensplattform ist damit öffentlich. Ob aus dem Vortrag ein reifer Vermögensaufbau wird oder nur ein neuer Push-Button mit ELTIF-Risiko, entscheidet nicht Instagram. Es entscheidet, ob zehn Millionen Menschen verstehen, dass ein Euro Einstieg nichts an der Haltedauer ändert – und ob EQT und Apollo in einer App, die Charts liebt, wirklich geduldiges Kapital finden.