Fintech Topi wird an Blackrock-Firma Peac Solutions verkauft

Vier Jahre nach Gründung verkaufen die Gründerinnen Charlotte Pallua und Estelle Merle ihr Fintech Topi an die US-Firma Peac Solutions, die zu Blackrock gehört. Zuvor hatten prominente Geldgeber wie Index Ventures und Creandum auf die Firma gewettet, die Hardware-Abos für Geschäftskunden anbietet.
Nächster Exit in Berlin: Nach dem Broker Lemon Markets wird nun auch das Finanz-Start-up Topi verkauft. Peac Solutions übernimmt die Firma der Gründerinnen Charlotte Pallua und Estelle Merle. Es handelt sich dabei um einen sogenannten Share-Deal. Die Topi-Investoren erhalten Anteile an dem Käufer, der über HPS Investment Partners zum Vermögensverwalter Blackrock gehört. Bekannte Geldgeber wie Index Ventures und Creandum hatten das Unternehmen mit rund 50 Millionen Dollar finanziert.
Die US-Firma bietet sogenannte Asset-basierte Finanzierungen an. Unternehmen nutzen dabei ihre Vermögenswerte als Sicherheit für Kredite. Zudem lassen sich Leasing-Angebote in den eigenen Online-Shop einbinden. Dabei handelt es sich um das Geschäft des Fintechs Topi, das beispielsweise iPhones oder andere Elektronik für Geschäftskunden vermietet. Bekannte Händler wie Cyberport, MediaMarkt oder Bechtle gehörten zu den Topi-Partnern. Es war bereits in mehreren europäischen Märkten aktiv.
Mit dem neuen Eigentümer soll die Firma in neue Produkte und Märkte expandieren, heißt es. Dabei wird die Firma teilweise bei Peac Solutions integriert. Für die Geldgeber muss sich nun zeigen, wie sich der Käufer Peac entwickelt, der von dem Private-Equity-Unternehmen HPS Investment Partners übernommen wurde. Erst bei einem Börsengang oder Verkauf wird sich zeigen, ob die Wette von Topi aufgegangen ist.
Das Modell, Hardware nicht zu verkaufen, sondern als Abo zu finanzieren, lag im Trend der Niedrigzinsjahre: Händler wollten im Checkout eine Leasingoption, IT-Abteilungen wollten Geräte ohne großen Capex, Hersteller wollten Stückzahlen. Topi lieferte die Strecke dazwischen – Antragsstrecke, Risiko, Refinanzierung, Objektverwaltung. Als die Zinsen stiegen, wurde aus dem Wachstumsstory ein Bilanzthema: Restwerte, Forderungsqualität und Refinanzierungskosten entscheiden, ob Hardware-Abos eine Lizenz zum Drucken sind oder ein Friedhof für geleaste Laptops.
Peac sitzt genau in diesem Schnittpunkt aus Lending und Leasing. Asset-based Finance gilt in den USA als etabliertes Geschäft für den Mittelstand; in Europa suchen Spezialfinanzierer nach digitalen Originationskanälen. Ein Berliner Fintech mit Händlerbeziehungen und Shop-Integration ist dafür ein logischer Baustein. Blackrock hat HPS als Kreditplattform gekauft, um jenseits börsennotierter Anleihen private Credit-Märkte zu bedienen. Topi ist in dieser Logik kein Show-Exit an einen strategischen Techkonzern, sondern ein Portfolio-Fit: digitale Kreditvergabe trifft auf eine große Bilanz.
Für Pallua und Merle endet damit die Phase als unabhängige Gründerinnen, vier Jahre nach dem Start. Share-Deals ohne ausgewiesenen Cash-Exit sind in der europäischen Fintech-Szene häufiger geworden, seit klassische IPOs und hohe Secondary-Preise rar sind. Index und Creandum tauschen das Topi-Papier gegen Peac-Anteile – und wetten damit doppelt: auf die Integration des deutschen Geschäfts und auf den späteren Exit des US-Käufers. Ob aus rund 50 Millionen Dollar Einsatz ein Vielfaches wird, steht in den Büchern von HPS und Blackrock, nicht mehr in denen eines Berliner Start-ups.
Der Markt für Geräte-as-a-Service bleibt groß, solange Unternehmen IT nicht kaufen, sondern nutzen wollen. Entscheidend ist, wer das Risiko trägt, wenn Geräte veralten oder Kunden ausfallen. Peac kann Bilanzen und Händlerbeziehungen zusammenführen; Topi bringt die europäische Origination und Namen wie Cyberport, MediaMarkt und Bechtle. Ob daraus mehr wird als eine Division in einem Kreditkonzern, werden die nächsten Produkt- und Marktlaunches zeigen. Bis ein Börsengang oder Weiterverkauf den Kreis schließt, bleibt der Berliner Exit ein Papiergewinn – und ein Beleg, dass Hardware-Abos in der Private-Credit-Welt von Blackrock gelandet sind. Namen wie Cyberport, MediaMarkt und Bechtle sind dabei mehr als Referenzfolien: Sie sind der Vertriebskanal, den Peac in Europa nicht neu aufbauen muss.