Teylor kauft Fintech Capetec

Teylor kauft Fintech Capetec – FinanceFWD

Das Kredit-Start-up Teylor übernimmt das junge Unternehmen Capetec, das von zwei ehemaligen Compeon-Managern gegründet wurde. Es ist bereits die dritte Übernahme der vergangenen 18 Monate.

Stephan van Heerden und Dirk Dievernich haben erst im vergangenen Jahr Capetec gegründet. Beide waren im Management der Finanzierungsplattform Compeon. Die Firma war in die Krise gerutscht und wurde später vom Konkurrenten Fincompare gekauft – ein Ende, das in der deutschen KMU-Finanzierung kein Einzelfall blieb. Die beiden Manager haben mit ihrem alten Tech-Team die neue Firma Capetec aufgebaut, statt den Markt zu verlassen. Die Software unterstützt Finanzvermittler bei ihrer Arbeit: Anträge, Unterlagen, der Weg vom Gespräch zum Kredit.

Diese Funktionen will Teylor nun im eigenen Produkt integrieren. Bislang besteht das Fintech aus zwei Geschäftsbereichen: Es vergibt selbst Kredite an kleine und mittlere Unternehmen. Zudem stellt es Banken wie der LBBW die Software für das Management der Kredite zur Verfügung, um etwa die Kreditwürdigkeit von Unternehmen besser zu ermitteln. Mit Capetec erhält es jetzt weitere Funktionen für die Strecke, die vor der Ausreichung liegt – dort, wo Vermittler den Deal erst sichtbar machen.

Es ist für Teylor-Gründer Patrick Stäuble bereits die dritte Übernahme innerhalb von 18 Monaten. Er kaufte das kriselnde Unternehmen Creditshelf und das Grenke-Factoringgeschäft. Die Capetec-Gründer bekommen Anteile an Teylor. Wie hoch die Bewertung von Capetec ausfällt, ist nicht bekannt, doch dürfte der Betrag eher gering sein.

Stäubles Einkaufstour hat eine klare Logik. Der Markt für digitale KMU-Finanzierung in Deutschland ist voller Plattformen, die nacheinander an Volumen, Risiko oder Refinanzierung gescheitert sind. Compeon ging in die Krise und zu Fincompare; Creditshelf kriselte, bevor Teylor zuschlug; Factoring von Grenke war ein Randgeschäft, das ein Agilerer besser digitalisieren kann. Wer in diesem Feld organisch wächst, braucht Jahre. Wer Software, Vermittlerzugang und Bilanzreste kauft, baut schneller eine Fläche, auf der Banken und KMU denselben Prozess sehen. Capetec ist dabei kein Umsatz-Riese – daher die geringe Bewertung –, sondern ein Team, das Vermittler-Workflows kennt, weil es sie bei Compeon schon gebaut hat.

Vermittler sind in der deutschen Unternehmensfinanzierung oft der unterschätzte Kanal. Sie bringen Deals, die keine Hausbank filtern will, und brauchen Tools für Vergleich, Unterlagen, Status. Teylor kann Kredite selbst halten oder als Software an Institute wie die LBBW liefern; Capetec dockt die Vertriebsstrecke an. Aus zwei Säulen wird ein System: Origination, Risiko, Ausreichung, vielleicht Factoring aus dem Grenke-Deal. Das ist die Industrieversion von Buy-and-Build, ohne Private-Equity-Sprech, aber mit derselben Idee: Fragmentierung einsammeln, bevor der nächste Konkurrent es tut.

Van Heerden und Dievernich tauschen die eigene GmbH gegen Teylor-Anteile. Das bindet das Tech-Team und spart Stäuble Cash. Für die Gründer ist es der zweite Anlauf nach Compeon – diesmal nicht als Plattform gegen Banken, sondern als Modul in einem Unternehmen, das selbst Kredit vergibt. Ob die Integration gelingt, hängt daran, ob Vermittler die neue Oberfläche akzeptieren und ob Teylors Risikosysteme die zusätzliche Funnel-Weite vertragen.

Drei Übernahmen in 18 Monaten sind Tempo und Warnung. Tempo, weil Stäuble den Markt nicht den Insolvenzverwaltern überlässt. Warnung, weil jede Integration Kultur, Code und Kreditrisiko gleichzeitig verschiebt. Creditshelf brachte ein angeschlagenes Kreditbuch, Grenke ein Factoring-Stück, Capetec ein junges Softwareteam – drei verschiedene Integrationsprobleme. Der kleinste Baustein könnte der nützlichste sein: ohne teuren Preis, mit Leuten, die den Vermittlermarkt schon einmal von innen gesehen haben. Der Betrag der Bewertung bleibt offen. Die Richtung nicht: Teylor will die Infrastruktur der KMU-Finanzierung werden, nicht nur ein weiterer Kreditgeber mit App.