SumUp: Das Phantom hinter dem wertvollsten Fintech aus Deutschland

Daniel Klein ist einer der erfolgreichsten deutschen Gründer – und fast niemand kennt ihn. In seinem Payment-Imperium zieht der CEO seit Jahren im Verborgenen die Strippen. Nun strebt er mit SumUp an die Börse – für bis zu 15 Milliarden Dollar.
Vor wenigen Tagen wurde das Phantom in London gesichtet. In Jeans, weißem Hemd und mit Undercut-Frisur. Daniel Klein (47) sprach in der zweiten Oktoberwoche vor einem Zirkel von Finanzinvestoren – invite only – über sein Start-up. Eingeladen hatte die Investmentbank Goldman Sachs, die auch gleich ihren Co-CEO für das internationale Geschäft, Anthony Gutman (51), mit Klein auf die Bühne schickte – mehr konnte er kaum hofiert werden.
Mit gefalteten Händen referierte der Unternehmer, wie er ein „profitables Powerhouse“ aufgebaut habe, berichtete ein Teilnehmer später. Die meisten im Saal dürften ihn jedoch noch nie gesehen haben. „Wer ist Daniel Klein?“, wunderte sich anschließend selbst ein sonst gut vernetzter Branchenkenner, der ebenfalls bei dem Event war.
Die Antwort steht in Millionen Läden, auf Tresen von Cafés, bei Taxifahrern und auf Wochenmärkten: SumUp hat Kartenzahlung für Kleinstbetriebe zur Standardausrüstung gemacht. Das weiße Terminal, der günstige Einstieg, die App statt des klassischen Acquiring-Vertrags mit der Hausbank – das ist das Produkt, das den Deutschen Klein in London, Berlin und Dutzenden Märkten reich gemacht hat, ohne ihn zur öffentlichen Figur zu machen. Während andere Fintech-Gründer auf Konferenzen posieren, hat Klein das Unternehmen operativ geführt und die Sichtbarkeit gemieden. Ein Börsengang würde genau das beenden.
SumUp sitzt in London, die Wurzeln sind deutsch-britisch, das Geschäft ist europäisch: Lesegeräte, Kassensysteme, Online-Payments für kleine und mittlere Händler. Nach eigenen Angaben nutzen mehr als vier Millionen Kunden in über dreißig Ländern die Dienste. Die letzte große Finanzierungsrunde datiert auf 2022, damals lag die Bewertung in der Größenordnung von acht Milliarden Euro. Nun kursieren für den IPO Zielkorridore von zehn bis 15 Milliarden Dollar – Zahlen, die SumUp in die Liga der wertvollsten europäischen Fintechs heben würden, sofern der Markt mitspielt. Goldman Sachs sondiert Investoreninteresse; ob London oder New York der Handelsplatz wird, ist öffentlich nicht entschieden.
Der industrielle Kern ist weniger glamourös als die Bewertung. SumUp verdient an Transaktionen, Terminals und immer öfter an Zusatzdiensten rund um den Händleralltag – vom Online-Checkout bis zu Finanzierungsbausteinen. Das Muster kennt man von Block (Square) in den USA oder von Adyen auf der Enterprise-Seite: Wer den Zahlungseingang kontrolliert, kann Kredit, Software und Konto andocken. Klein hat das bei den Kleinsten gemacht, die Banken oft links liegen ließen. Profitabilität, die er vor Investoren als Powerhouse verkauft, ist in diesem Geschäft der Beweis, dass Skalierung nicht nur Marketing ist.
Gerade deshalb wirkt der Auftritt bei Goldman wie eine Generalprobe. Ein CEO, den selbst Branchenkenner nicht zuordnen, muss vor Roadshow-Kameras bestehen, Quartalsstorys erzählen und mit Vergleichsunternehmen leben, deren Kurse schwanken. Payment-IPOs sind zyklisch: Hohe Zinsen, Konsumschwäche und der Wettbewerb um Händlerprovisionen können Bewertungen rasch stauchen. Klein gilt als jemand, der nicht um jeden Preis an die Börse will – sondern dann, wenn er das Timing für stabil hält. Bis dahin bleibt SumUp das wertvollste deutsche Fintech, das kaum jemand mit einem Gesicht verbindet.
Das dürfte sich ändern. Sobald der Prospekt geschrieben ist, wird aus dem Phantom ein Vorstandsvorsitzender mit Pflichtterminen, Stimmrechten und einer Equity-Story, die sich in einer Zahl verdichtet: bis zu 15 Milliarden Dollar. Ob der Kapitalmarkt das zahlt, entscheidet nicht Gutmans Bühnenpräsenz, sondern die Marge im Kleinstgewerbe. Klein hat sie jahrelang im Verborgenen zusammengesetzt. Der Börsengang wäre der Moment, in dem Europa endlich sieht, wer hinter den weißen Terminals steht.