Seriengründerin Jessica Holzbach bringt Fintech-Firmenschmiede 0TO9 nach Deutschland

Einst startete sie das Banking-Start-up Penta und den Finanz-Anbieter Pile: Nun meldet sich Szenekopf Jessica Holzbach mit einem neuen Job zurück. Sie wird den schwedischen Company Builder 0TO9 in Deutschland aufbauen.
Nach einigen Monaten Auszeit startet die bekannte Fintech-Gründerin Jessica Holzbach in einem neuen Job: Sie wird Deutschlandchefin des Company Builders 0TO9, der sich auf Fintech-Start-ups spezialisiert hat und hierzulande bislang eher unbekannt ist. Fintech-Unternehmen sollen in dem Konzept mit Lizenzen und Kapital unterstützt werden.
Holzbach gehört zu den bekanntesten Fintech-Gründerinnen in Deutschland und ist in der deutschen Fintech-Welt gut vernetzt: Sie hat den Business-Banking-Anbieter Penta mit aufgebaut, der später an den größeren Konkurrenten Qonto verkauft wurde. Danach startete sie Pile, das für Geschäftskunden ein Zinskonto angeboten hat. Teile der Firma kaufte später der Business-Banking-Anbieter Vivid. Nach dem Deal verließ Holzbach das Unternehmen. Nun kehrt sie in die Fintech-Szene zurück.
Der Schritt kommt zu einem Zeitpunkt, an dem viele Gründerteams in Deutschland an denselben Engpässen scheitern: Banklizenz, Compliance, Kernbankensystem. Eine eigene Erlaubnis der Finanzaufsicht dauert Jahre und bindet zweistellige Millionenbeträge, bevor das erste Produkt live ist. Company Builder versprechen, genau diese Infrastruktur zu teilen – Kapital, Technik, Risikomanagement und eine Lizenz, die sich über das europäische Passporting auch nach Deutschland bringen lässt. 0TO9 sitzt in Stockholm und wird von Tord Topsholm geführt, einem ehemaligen Bankmanager, der zuvor selbst Institute geleitet hat.
Das Modell ist in der Nordics-Szene bekannter als in Berlin. Statt jedes Fintech von null eine Bank zu bauen, sollen Gründerinnen und Gründer Kernfunktionen wie IT, Meldewesen oder Marketing an die Plattform auslagern und sich auf Produkt und Vertrieb konzentrieren. Ob daraus serielle Fabriken erfolgreicher Institute werden oder nur ein weiterer Lizenz-Umweg, hängt davon ab, wie streng Aufseher die Nutzung geteilter Erlaubnisse bewerten – und ob wirklich zahlungskräftige Partner einsteigen. Holzbachs Aufgabe ist, das Konzept in der DACH-Region zu verankern und Teams zu finden, die nicht nur eine Folie, sondern ein skalierbares Geschäft mitbringen.
Ihre eigene Spur spricht für operativen Realismus. Penta zählte zu den wichtigsten deutschen SME-Banking-Exits, als Qonto übernahm; Pile zeigte, wie eng das Fenster für Zinsprodukte im Firmenkundengeschäft ist, sobald größere Plattformen zuschlagen. Beides hat Holzbach Sichtbarkeit und ein Netzwerk aus Investoren, Bankern und Gründern verschafft, das 0TO9 in Deutschland fehlt. Zugleich kennt sie die Kehrseite: Wer verkauft, gibt Kontrolle ab. Ein Company Builder verlangt von Gründern ebenfalls, Stückwerke ihrer Unabhängigkeit gegen Tempo zu tauschen.
Die deutsche Fintech-Szene sucht nach dem nächsten Wachstumspfad, nachdem viele Consumer-Apps an Regulierung, Betrugsprävention und durstigen Kapitalmärkten gebremst wurden. Eingebettete Finanzprodukte für den Mittelstand, spezialisierte Kredit- und Anlagevehikel, Infrastruktur für Fonds und Karten – dort, nicht bei der zwanzigsten Girokonto-App, vermuten Beobachter noch Luft. Genau solche Vorhaben brauchen Lizenzen, bevor sie Kunden gewinnen. Holzbach wettet, dass eine schwedische Firmenschmiede das schneller liefern kann als der klassische Weg über eine eigene Bafin-Erlaubnis. Ob das stimmt, wird sich daran messen, wie viele Teams wirklich unter dem 0TO9-Dach starten – und wie die Aufsicht die geteilte Lizenz bewertet.
In der kommenden Woche wird Jessica Holzbach im FinanceFWD-Podcast ihre Pläne schildern – und erklären, warum sie an das Konzept des Company Builders glaubt. Bis dahin gilt die Personalie als Signal: Eine der sichtbarsten Gründerinnen des Landes baut nicht das nächste eigene Start-up, sondern die Rampe für andere. Der deutsche Markt hat Company Builder kommen und gehen sehen; was bleibt, sind lizenzierte Produkte und Teams, die nach der Seed-Phase noch stehen. Ob 0TO9 mehr wird als ein Stockholmer Importetikett, entscheidet sich daran, ob unter Holzbachs Leitung genau das passiert – nicht an der Ankündigung allein. Der Markt hat Company Builder kommen und gehen sehen; was bleibt, sind lizenzierte Produkte und Teams, die nach der Seed-Phase noch stehen.