Ehemaliger Ratepay-Manager wird COO bei Re:cap

Ehemaliger Ratepay-Manager wird COO bei Re:cap – FinanceFWD

Exklusiv: Philipp Schaaf heuert als Chief Operating Officer beim Finanzierungs-Fintech Re:cap an. Zuvor war er in leitenden Positionen beim „Buy Now, Pay Later“-Anbieter Ratepay sowie beim Kreditkarten-Start-up XPay tätig.

Re:cap, das 2021 von Paul Becker und Jonas Tebbe gegründet wurde, hat sich auf alternative Finanzierungsquellen für Techunternehmen spezialisiert. In seiner neuen Rolle soll Schaaf den Ausbau und die Skalierung des Geschäfts vorantreiben – ein Mandat, das Kreditbuch, Technologie und Kundenwachstum zugleich umfasst. Das Fintech sitzt an einer Stelle, an der operative Exzellenz über die Wachstumsgeschwindigkeit entscheidet: Wer Kapital ausreicht, muss Underwriting, Servicing und Refinanzierung im selben Takt halten.

Ursprünglich startete Re:cap mit dem Fokus auf Start-up-Finanzierungen, insbesondere durch sogenanntes Revenue-based Finance. Dabei zahlen Unternehmen das erhaltene Kapital anteilig über ihre Umsätze zurück – ohne klassischen Tilgungsplan und ohne Verwässerung der Cap Table. Das Modell fand Gehör, als Zinsen stiegen und Venture-Capital-Runden teurer oder ganz ausblieben. Gründer, die keine weiteren Equity-Runden zu gedrückten Bewertungen akzeptieren wollten, suchten nach nicht verwässerndem Kapital. Umsatzbasierte Finanzierung versprach genau das: Liquidität gegen einen Anteil künftiger Erlöse.

Mittlerweile hat sich Re:cap weiterentwickelt. Neben der Finanzierung bietet das Unternehmen eine Softwarelösung an, mit der Kunden ihre Liquidität planen, überwachen und steuern können. Aus dem reinen Kapitalgeber wird ein Werkzeugkasten für die Finanzabteilung. Das Muster ist in der Branche bekannt: Wer regelmäßig Umsätze finanziert, sammelt Daten über Zahlungsströme; wer diese Daten in Planungstools gießt, bindet Kunden enger und verdient nicht nur an der Finanzierung, sondern an Software. Für die Skalierung heißt das, dass Kreditprozesse, Risikosteuerung und Produktentwicklung denselben Rhythmus finden müssen.

Genau das ist Schaafs Terrain. Der Manager mischt seit mehr als 15 Jahren in der Finanz- und Techbranche mit. Bei Ratepay, einem großen deutschen „Buy Now, Pay Later“-Anbieter, war er ebenfalls COO und Prokurist. Er leitete dort unter anderem das Forderungsmanagement sowie strategische Projekte wie die Refinanzierung über Partnerbanken. Wer BNPL-Forderungen in großem Stil an Banken weiterreicht, kennt das Handwerk, das auch umsatzbasierte Finanzierer brauchen: Risiko, Regulatorik, Partnersteuerung, das tägliche Eintreiben und Weiterreichen von Forderungen. Ratepay gehört inzwischen zum europäischen Payment-Konzern Nexi.

Vor Ratepay war Schaaf beim Kreditkarten-Start-up XPay in leitender Position tätig – ebenfalls ein Geschäft, in dem Technologie, Risiko und operativer Alltag untrennbar sind. Die Stationen zeichnen das Profil eines Managers, der Zahlungs- und Kreditprodukte nicht nur entwirft, sondern durch Banken, Aufsicht und Skalierung treibt. Bei Re:cap kommt hinzu, dass zwei Welten gleichzeitig wachsen sollen: das Finanzierungsbuch und die Software. Ein COO, der beides zusammenhält, ist deshalb keine dekorative C-Level-Ergänzung, sondern die Voraussetzung dafür, dass aus einem Finanzierungsprodukt eine Plattform wird.

Die Personalie fällt in eine Phase, in der alternative Finanzierer in Europa beweisen müssen, dass ihr Modell mehr ist als eine Idee der Niedrigzinsjahre. Revenue-based Finance steht und fällt mit der Qualität der Umsatzdaten, mit der Geschwindigkeit der Auszahlung – und mit der Fähigkeit, Portfolios zu refinanzieren, statt sie nur mit Eigenkapital zu halten. Schaaf hat genau diese Hebel bei Ratepay bewegt, als Prokurist und COO, der Forderungsmanagement und Bankpartner zugleich verantwortete. XPay ergänzt das Bild um das Kreditkartengeschäft, in dem Autorisierung, Risiko und Kundenalltag in derselben Pipeline laufen. Ob Re:cap vom Spezialisten für Start-up-Kapital zum breiteren Liquiditätsanbieter für Techunternehmen wird, hängt weniger von neuen Produktnamen ab als von der operativen Maschine, die der neue COO nun bauen soll. Becker und Tebbe haben das Produkt erfunden; Schaaf soll es skalieren – Finanzierung und Liquiditätssoftware in einem Betrieb, der beides gleichzeitig tragen muss.