Porsche wechselt mit Kreditkarten von DKB zu finnischem Fintech

Porsche wechselt mit Kreditkarten von DKB zu finnischem Fintech – FinanceFWD

Der Autohersteller zieht sein Kreditkartenportfolio von Deutschlands zweitgrößter Onlinebank ab – und vertraut künftig dem eher unbekannten Fintech Enfuce und der Nordiska-Bank. Es könnte jedoch dauern, bis die neue Kooperation sich rechnet.

„Keep your essence“ – so lautet der Slogan, mit dem Porsche-Chef Oliver Blume (57) derzeit für seinen vollelektrischen Macan werben lässt. Die Botschaft dahinter liegt auf der Hand: Auch ein Porsche ohne klassischen Verbrennungsmotor ist ein echter Porsche.

Die Bestandskundschaft behutsam an etwas Neues unter der Haube gewöhnen – das dürfte bei Porsche auch das Ziel bei einem ganz anderen Projekt sein. Porsche wechselt nämlich den Dienstleister und damit das bisher bewährte Set-up für seine Kreditkarten. Statt mit Deutschlands zweitgrößter Onlinebank DKB, einer Tochtergesellschaft der BayernLB, kooperiert der Konzern nach Informationen von FinanceFWD künftig mit dem eher unbekannten finnischen Zahlungsdienstleister Enfuce und der schwedischen Bank Nordiska. Ab dem Herbst sollen die skandinavischen Partner die Arbeit im Hintergrund übernehmen, wenn es um die Kreditwürdigkeitsprüfung der Kundinnen und Kunden sowie die Abwicklung der Kartentransaktionen geht.

Co-Branded Cards sind für Premiumhersteller ein loyales Beiwerk: Jahresgebühr, Tankrabatt, Versicherungspakete, Status. Operativ steckt dahinter meist eine Bank, die Bilanz, Risiko und Regulatorik trägt. Die DKB hat dieses Geschäft für Porsche über Jahre gemacht – mit dem Vorteil einer großen deutschen Direktbank und dem Nachteil, dass das Kartenprogramm an ein Institut gebunden bleibt, das selbst Girokonten und Depots verkauft. Ein Wechsel zu Card-as-a-Service löst genau diese Kopplung: Enfuce bringt die Lizenz als E-Geld-Institut und die technische Ausgabe, Nordiska das Kreditinstitut, Visa das Netzwerk. Porsche Financial Services steuert das Programm, ohne jedes Land mit einer eigenen Banktochter zu unterlegen.

Genau darin liegt die strategische Pointe. Blume will den Sportwagenhersteller international skalieren, auch jenseits des Verbrenners. Eine Karte, die nur über eine deutsche Direktbank läuft, bleibt ein Heimatmarktprodukt. Eine modulare Strecke aus Helsinki und Stockholm lässt sich – auf dem Papier – in weitere europäische Märkte tragen, sobald Identifizierung, Scoring und Inkasso lokal stehen. Ob das die Rechnung verbessert, ist die offene Stelle: Neue Partner müssen Underwriting so konservativ kalibrieren, dass Porsche-Kunden nicht reihenweise abgelehnt werden, und so großzügig, dass das Programm nicht zur teuren Visitenkarte ohne Volumen verkommt.

Enfuce ist in der Branche als Processor für Banken und Fintechs bekannt, nicht als Konsumentenmarke. Nordiska ist eine spezialisierte schwedische Bank, kein Haushaltsname in Stuttgart. Für Bestandskunden der bisherigen Porsche-Karte bedeutet der Wechsel vor allem eines: behutsame Migration, neue AGB, neue Kreditentscheidung. Wer die Karte als Teil der Marke versteht, soll möglichst wenig von der Technik merken – analog zum Macan, unter dessen Karosserie ein anderer Antrieb arbeitet.

Card-as-a-Service klingt nach Standard, ist in der Praxis aber ein Umzug von Risiko, Scoring und Beschwerdeprozessen. Nordiska muss Kreditentscheidungen treffen, die zum Porsche-Kunden passen, ohne die Bilanz zu überdehnen; Enfuce muss Ausgabe und Abwicklung so stabil fahren, dass ein Ausfall sofort zur Markensache wird. Der Herbsttermin ist deshalb weniger ein Marketinglaunch als ein Stresstest für drei Parteien, die sich kaum kennen.

Für die DKB ist der Verlust eines Prestigeportfolios ärgerlich, aber nicht existenziell; das Institut sucht Wachstum eher im eigenen Depot- und Kreditgeschäft. Für Porsche ist es ein Test, ob Embedded Finance ohne Hausbank funktioniert – und ob Premiumkunden einen Dienstleisterwechsel überhaupt bemerken, solange Plastik, App und Tankrabatt vertraut bleiben. Rechnen wird sich die Kooperation erst, wenn das Programm über Deutschland hinaus Volumen erreicht und die Risikoquote die Premiumkalkulation nicht auffrisst. Bis dahin gilt Blumes Slogan auch für die Karte: Die Essence bleibt Porsche. Darunter arbeiten künftig Finnen und Schweden. Premiumkunden sollen den Dienstleisterwechsel möglichst nicht spüren, solange Karte, App und bekannte Vorteile vertraut bleiben.