Fintech-Unicorn Pennylane expandiert nach Deutschland – Bewertung soll auf zwei Milliarden Dollar steigen

Fintech-Unicorn Pennylane expandiert nach Deutschland – Bewertung soll auf zwei Milliarden Dollar steigen – FinanceFWD

Exklusiv: Der französische Fintech-Star Pennylane will aggressiv auf den deutschen Markt kommen, dafür sucht die Firma zurzeit ein Führungsteam. Für den Push nach Deutschland gibt es neue Millionen – und die Bewertung soll sich verdoppelt haben.

Ein Headhunter befindet sich gerade auf der Suche nach einem „Managing Director Germany“ für das aufstrebende Finanz-Start-up Pennylane, das zeitnah nach Deutschland kommen will. Das Gründerteam um CEO Arthur Waller (35) hat dafür die Personalberatung Von der Heyden engagiert und eine eigene Gesellschaft in München gegründet. Mit seiner Software für Buchhaltung ist die Firma im Heimatmarkt groß geworden – und hat ein massives Wachstum hingelegt. Die Firma richtet sich an kleine und mittlere Unternehmen sowie Steuerberater. München statt Berlin ist dabei eine Standortansage: näher an Steuerkanzleien, Mittelstand und dem DATEV-Kosmos als an der Start-up-Bühne.

Im vergangenen Jahr sammelte die Firma – trotz Fintech-Krise – zweistellige Millionenbeträge an Wagniskapital ein und steigerte die Firmenbewertung auf rund eine Milliarde Dollar. Bekannte Investoren wie Sequoia mit Partnerin Luciana Lixandru (40), der Fintech-Geldgeber Hedosophia oder Rocket Internet mit dem Fonds Global Founders Capital sind bei der Firma investiert. Dass Sequoia und Hedosophia in europäischer Buchhaltungssoftware stecken, sagt etwas über den Markt: Wer die Bücher kleiner Firmen digitalisiert, kauft sich in einen wiederkehrenden, regulatorisch stabilen Umsatzstrom ein.

Laut Insidern schließt die Firma nun bereits eine nächste Finanzierungsrunde ab, die dafür sorgen soll, die Deutschland-Expansion zu finanzieren. Als einer der neuen Investoren soll Meritech an Bord sein, die schon Techfirmen wie Snowflake oder Personio finanziert haben. Das Besondere: Die Firmenbewertung soll sich innerhalb eines Jahres verdoppelt haben und nun bei rund zwei Milliarden Dollar liegen – ein schneller Anstieg. Waller hat bislang nicht auf eine Anfrage reagiert. Die Zahlen sind deshalb mit der Vorsicht zu lesen, die jede noch nicht öffentlich dokumentierte Runde verdient. Sie zeichnen trotzdem ein klares Bild: Pennylane will Deutschland nicht als Nebenmarkt testen, sondern als zweite Säule finanzieren.

Marktbeobachter sagen, dass der Start in Deutschland nicht leicht fallen dürfte. Im Gegensatz zum französischen Markt gibt es mit DATEV hier einen starken Player, der auch mit einigen der Start-ups zusammenarbeitet. DATEV ist nicht einfach ein Wettbewerber, sondern die Infrastruktur, über die ein großer Teil der Steuerberater und damit der kleinen Firmen seine Buchhaltung organisiert. Wer in Deutschland Buchhaltungssoftware verkauft, verkauft selten nur an den Unternehmer; er verkauft in ein Dreieck aus Mandant, Kanzlei und Rechenzentrum. Französische Anbieter, die im Heimatmarkt Steuerberater und KMU direkt bedienen, treffen hier auf andere Machtverhältnisse.

Genau deshalb ist die Personalsuche so früh so sichtbar. Ein Managing Director Germany, rekrutiert über Von der Heyden, soll die Expansion nicht vom Pariser Produktteam aus steuern, sondern vor Ort führen – Vertrieb in die Kanzleien, Partnerschaften, die regulatorische Feinjustierung. Personio, das Meritech kennt, hat vorgemacht, wie ein europäisches SaaS-Haus den DACH-Mittelstand erobert: mit lokaler Präsenz, mit Geduld im Channel, mit dem Anspruch, Standardsoftware zu werden. Buchhaltung ist jedoch klebriger als HR. Wechselkosten sind hoch, das Vertrauen der Steuerberater ist ein Moat, den man nicht mit einem Marketingbudget überspringt.

Zwei Milliarden Dollar Bewertung bei gleichzeitigem Deutschland-Start ist eine aggressive Gleichung. Sie unterstellt, dass das französische Wachstum sich übertragen lässt, obwohl der lokale Champion DATEV heißt und nicht ein zersplittertes Feld kleiner Tools. Pennylane hat Kapital, prominente Investoren und eine Münchner Gesellschaft. Was fehlt, ist das Führungsteam, das den deutschen Steuerberater überzeugt, ein weiteres System in den Alltag zu lassen. Solange Waller schweigt, bleibt die Runde eine Insider-Erzählung. Der Headhunter ist indes bereits unterwegs – und das ist in diesem Markt oft das verlässlichere Signal als jede Bewertung.