Innovationsexperte Robin Nehring geht zur Nord-Ostsee Sparkasse

Mit dem Plaudertaschen-Podcast hat sich Robin Nehring in der Fintech- und Sparkassen-Welt einen Namen gemacht. Nach einer Station bei der Versicherung Örag wechselt er nun zu der Sparkasse, die von der ehemaligen Comdirect-Chefin Frauke Hegemann geleitet wird.
Vor knapp zwei Jahren fing Robin Nehring im Management der Versicherung Örag an. Nun folgt der nächste Wechsel: Der Szenekopf startet bei der Nord-Ostsee Sparkasse als Bereichsdirektor Strategie und Unternehmensentwicklung. Vorstandsvorsitzende der Bank ist die ehemalige Comdirect-Chefin Frauke Hegemann.
Nehring hat in den vergangenen Jahren in der Sparkassen-Finanzgruppe Karriere gemacht. Der Manager war lange Zeit bei der Stadtsparkasse Düsseldorf für Innovationen verantwortlich, dort baute er etwa das Kundenprojekt smoney auf, das sich an junge Menschen richtet. 2024 wechselte er dann zur Örag, die ebenfalls zur Sparkassen-Gruppe gehört.
Bekannt wurde Nehring in der Branche aber vor allem mit seinem Podcast „Plaudertaschen – Banking von morgen“. Dort spricht er regelmäßig über Entwicklungen in der Finanzbranche und die Zukunft des Bankings. Die Sendung ist in der Szene ein Treffpunkt geworden: Sparkassenmanager, Fintech-Gründer und Verbandsleute hören zu, wenn Nehring über App-Banking, Filialsterben und die Beharrungskräfte der Gruppe spricht. Genau diese Doppelrolle – Insider der Sparkassen und Übersetzer in die digitale Welt – macht den Wechsel nach Schleswig-Holstein mehr als eine Personalie unter vielen.
Die Nord-Ostsee Sparkasse, kurz Nospa, ist kein Berliner Fintech-Labor, sondern ein regionales Institut zwischen Flensburg, Kiel und der Küste. Gerade deshalb ist die Besetzung bemerkenswert. Hegemann hat bei der Comdirect gelernt, wie Direktbanken Kunden ohne Filiale halten. Seit sie die Nospa führt, gilt das Haus in der Gruppe als eines der Institute, die Digitalisierung nicht nur in Arbeitskreisen beschwören. Ein Bereichsdirektor für Strategie und Unternehmensentwicklung, der smoney gebaut und bei der Örag das Versicherungsgeschäft der Sparkassen von innen gesehen hat, soll diese Linie operationalisieren: Welche Produkte gehören in die App, welche Kooperationen lohnen sich, wo bleibt die Filiale unverzichtbar?
Die Nord-Ostsee Sparkasse sitzt in einem Bundesland, in dem Demografie, Tourismus und mittelständische Betriebe den Alltag der Bilanz bestimmen – nicht der Berliner Pitch. Hegemanns Comdirect-Vergangenheit bedeutet: Sie kennt den Preis, den Institute zahlen, wenn sie das Digitale als Abteilung und nicht als Standard behandeln. Nehring soll Strategie so schreiben, dass sie in Filialen und in der App gleichzeitig wahr ist.
Die Sparkassen stehen unter Druck, den sie selbst lange unterschätzt haben. Neobroker und Direktbanken haben jüngere Kunden an Wertpapierdepots und Tagesgeld gewöhnt, die nicht mehr selbstverständlich mit einem Girokonto in der Kreisstadt beginnen. Gleichzeitig bleibt die Gruppe über die Fläche, die Einlagenbasis und die kommunale Verankerung der größte Retailblock der Republik. Strategie in einer Sparkasse heißt deshalb nicht, das Institut in ein Fintech zu verwandeln. Es heißt, die Stärken der Gruppe – Vertrauen, Reichweite, Regulatorik – mit einer Produkt- und Kanalpolitik zu verbinden, die jüngere Kunden nicht an Trade Republic oder ING verliert.
Nehrings Weg dorthin ist geradlinig und ungewöhnlich zugleich. Düsseldorf, Örag, Nospa: immer innerhalb des Verbunds, aber an den Schnittstellen, an denen das System sich reiben muss – Innovation, Versicherung, nun Konzernstrategie. Die Örag-Station war kurz, knapp zwei Jahre. Der Sprung an die Küste ist ein Schritt näher an die operative Bank, weg von der Verbunddienstleistung. Hegemann bekommt damit einen Manager, der die Sprache der Start-ups spricht, ohne die Machtverhältnisse der Sparkassen-Finanzgruppe zu ignorieren.
Ob aus der Personalie ein sichtbarer Umbau wird, entscheidet sich nicht im Podcast. Strategie und Unternehmensentwicklung sind in Instituten dieser Größe Gremienarbeit, Vorstandsvorlagen, IT-Budgets. Der Anspruch, den Nehring mit „Banking von morgen“ öffentlich gesetzt hat, wird an der Nord-Ostsee Sparkasse gegen den Alltag einer Regionalbank gehalten. Genau darin liegt der Reiz der Berufung – für das Institut, für die Gruppe und für einen Szenekopf, der das Reden über die Zukunft nun in einer Bilanz verantworten muss.