NaroIQ bekommt Lizenz als Wertpapierinstitut

Das Kölner Start-up NaroIQ arbeitet künftig mit mehreren Lizenzen der Finanzaufsicht BaFin. Mithilfe des Dienstes können etablierte Fondsanbieter eigene ETFs auflegen. Was hat das Fintech vor?
Einer der aufstrebenden Fintech-Anbieter steht vor dem nächsten großen Start: Gründer Chris Püllen erhält für sein Start-up NaroIQ insgesamt fünf Lizenzen von der deutschen Finanzaufsicht BaFin erteilt und agiert nun als Wertpapierinstitut. Damit wird das Unternehmen als ETF-Infrastruktur-Anbieter auftreten. Die Botschaft an die Branche ist nüchtern und weitreichend: Wer künftig einen eigenen ETF braucht, muss nicht mehr die ganze Wertschöpfungskette intern bauen – Verwahrung, Index, Market Making, Vertrieb –, er kann zentrale Stücke in Köln mieten. Genau das suchen Häuser, die den ETF-Boom verschlafen haben und nun Tempo nachkaufen.
Mit den Lizenzen kann das Unternehmen etwa Anlagevermittlungen oder Index-Berechnung übernehmen. Etablierte Fondsanbieter sind potenzielle Kunden, die auf diesem Weg eigene ETFs auflegen oder bestehende Fonds umwandeln – ein großer Trend der vergangenen Jahre. Die Tochtergesellschaft NaroAM hat die Zulassungen erhalten. Fünf Erlaubnisse klingen nach Behördendeutsch, sind aber die Eintrittskarte: Ohne Wertpapierinstitut keine seriöse Rolle zwischen Asset Manager, Börse und Anleger. Püllen hat genau diese Tür gekauft, nicht eine weitere schöne ETF-App.
Gerade etablierte Anbieter würden durch den ETF-Trend mit Abflüssen kämpfen, heißt es. Aktiv gemanagte Publikumsfonds verlieren, sobald Sparpläne in breite, billige Indexprodukte wandern. Häuser, die jahrzehntelang Ausgabeaufschläge und Managementfees gewohnt waren, brauchen eigene ETFs, um im Depot der Neobroker überhaupt noch vorzukommen – oft als aktive ETFs oder als umetikettierte Strategien im börsengehandelten Mantel. Genau diese Umwandlung und Neuauflage will NaroIQ als Infrastruktur abnehmen.
Der ehemalige Vanguard-Manager Hendrik Mechlinski und Fondsspezialist Christian Meyer-Vahrenhorst leiten die regulierte Tochter. Die Personalie ist das Qualitätsversprechen: Vanguard steht weltweit für die industrielle Seite des ETF-Geschäfts, Meyer-Vahrenhorst für das Fondshandwerk. Zusammen sollen sie NaroAM so betreiben, dass ein traditioneller Anbieter Index, Vermittlung und Hülle einkaufen kann, ohne selbst ein ETF-Werk in Frankfurt hochzuziehen. Für die Aufbauphase hatte Püllen insgesamt knapp 6 Millionen Euro in diesem Jahr eingesammelt – unter anderem von Wagniskapitalgebern wie General Catalyst, Magnetic und Redstone.
Als einen ersten Kunden hat NaroIQ bereits Hauck & Aufhäuser als Partner verkündet, der künftig aktive und passive ETFs mit NaroIQ auflegen wird. Die Privatbank mit Fonds- und Verwahrhistorie ist kein Testkunde aus dem Freundeskreis, sondern ein Name, den institutionelle Partner ernst nehmen. Aktive und passive ETFs über dieselbe Infrastruktur zu fahren, unterstreicht den Anspruch: nicht Nische, sondern Betriebssystem für das, was Fondshäuser jetzt brauchen, um Abflüsse zu stoppen.
Knapp 6 Millionen Euro sind für ein lizenziertes Wertpapierinstitut wenig, wenn man die Compliance-Kosten der BaFin-Welt kennt – und viel, wenn die Wette auf Software statt auf eigene Assets geht. General Catalyst, Magnetic und Redstone finanzieren keine weitere Retail-Marke, sondern B2B-Infrastruktur. Der Hebel entsteht, sobald mehrere Häuser dieselbe Pipeline nutzen. Hauck & Aufhäuser ist der erste sichtbare Beleg, dass jemand dafür bezahlt.
Was NaroIQ vorhat, ist damit klarer als das Behördendeutsch der fünf Lizenzen: den ETF-Boom der großen Indexanbieter in ein Werkzeug für die Verlierer dieses Booms zu übersetzen. Mechlinski und Meyer-Vahrenhorst sollen die regulierte Tochter fahren, Püllen das Fintech. Gelingt das, werden in Köln ETFs geboren, auf denen andere Markennamen stehen. Misslingt es, bleibt ein teuer lizenziertes Institut ohne den zweiten und dritten Hauck-Deal. Der große Start ist die Erlaubnis. Das Geschäft beginnt jetzt – mit fünf Lizenzen, knapp 6 Millionen Euro Kapital und einem ersten Partner, der aktive und passive ETFs auflegen will.