Fonds-Fintech Naro sammelt 6,5 Millionen Dollar ein

Das Kölner Fintech Naro schließt eine neue Finanzierung ab: Der Investor Magnetic von Szenekopf David Rosskamp steigt ein. Im zweiten Halbjahr will der Anbieter für digitale Fondsinfrastruktur mit dem ersten Finanzpartner starten.
Mit einem neuen Funding über 6,5 Millionen Dollar finanziert das Fintech Naro die nächste Entwicklungsphase. Angeführt wird die Runde von dem bekannten Geldgeber David Rosskamp, der mit seinem Fonds Magnetic investiert. Auch der Wagniskapitalgeber Redstone beteiligt sich. Altinvestoren wie General Catalyst legen nach. Zudem ist Angel Invest und 14 Peaks dabei – ein Schweizer Fonds, der von Edoardo Ermotti geleitet wird, dem Sohn von UBS-Chef Sergio Ermotti.
Die Finanz-Firma von Chris Püllen hat sich darauf spezialisiert, digitale Fondsinfrastruktur aufzubauen. So sollen große Finanzunternehmen kostengünstig ETFs oder Fonds aufsetzen und managen können. Auf diesem Weg soll es auch kleineren Fondsanbietern möglich sein, in den ETF-Markt einzutreten, der sonst eher von großen Playern dominiert wird.
„ETFs werden Fonds in den nächsten zehn Jahren im Retail-Markt ersetzen und die Margen werden deutlich sinken“, sagt Püllen – das werde die Nachfrage nach seinem Produkt erhöhen, weil sie als digitale Lösung viel niedrigere Kosten hätten. Das neue Geld soll Naro nun weiter bringen: Der erste Kunde wird für das Fintech zu einem der wichtigsten Meilensteine – und ist im zweiten Halbjahr geplant.
Der ETF-Boom in Europa hat Gewinner und einen stillen Verlierer. Gewinner sind die großen Häuser mit Skala, Indexlizenzen und Vertrieb über Neobroker. Verlierer ist die klassische aktive Fondsgebühr, sobald Sparpläne auf breite Indizes zur Standardanlage werden. Wer trotzdem ein eigenes Vehikel auflegen will – ein Vermögensverwalter mit Nischenstrategie, ein Neobroker mit White-Label-Produkt, eine Bank mit Hausmarke – stößt auf denselben Kostenblock: Verwahrstelle, Administration, Reporting, Regulatorik. Genau diesen Block will Naro in Software gießen.
6,5 Millionen Dollar sind für ein Infrastruktur-Fintech eine Brücke, kein Endspiel. Der Markt misst solche Firmen am ersten regulierten Live-Partner, nicht an der Cap Table. Dass Magnetic, Redstone und General Catalyst mitgehen, signalisiert Vertrauen in die These, noch nicht in die Traktion. Der Name 14 Peaks neben dem UBS-Chef-Sohn ist für ein Kölner Team ein Türöffner in die Schweizer Fondswelt – dort sitzen Administratoren und Depotbanken, die Püllen entweder ersetzen oder als Kunden gewinnen muss.
Püllens Prognose ist branchenüblich und trotzdem folgenreich: Sinkende Margen erzwingen Industrialisierung. Die Frage ist, ob etablierte Administratoren digital nachziehen oder ob ein Start-up die nächste Welle kleiner Emittenten abgreift. Aufsicht, Haftung und der konservative Einkauf von Kapitalverwaltungsgesellschaften sprechen gegen Tempo. Dagegen spricht, dass Neobroker und digitale Vermögensverwalter Produkte in Monaten statt Jahren listen wollen.
Der ETF-Boom hat die Gebühren nach unten und die Erwartungen an Time-to-Market nach oben getrieben. Wer ein Nischenprodukt oder ein White-Label-Vehikel listen will, zahlt heute noch den Preis einer Industrie, die für Großemittenten gebaut wurde. Naro verspricht, diesen Preis zu senken. 6,5 Millionen Dollar finanzieren die Brücke bis zum ersten regulierten Partner – dem Moment, an dem aus der These Infrastruktur wird oder eine Verschiebung ins nächste Jahr.
Im zweiten Halbjahr soll der erste Finanzpartner stehen. Das ist das Datum, an dem aus einer Finanzierungsnachricht ein Infrastrukturversprechen wird – oder eine Verschiebung. Naro hat das Kapital, die These und prominente Beiratsadressen. Fehlt das, woran Fondsinfrastruktur immer scheitert oder wächst: ein Emittent, der echte Assets auf die Pipeline legt. Aufsicht, Haftung und der konservative Einkauf von Kapitalverwaltungsgesellschaften sprechen gegen Tempo; Neobroker und digitale Vermögensverwalter, die Produkte in Monaten listen wollen, sprechen dafür.