Nach der MiCA-Bereinigung: Deutschlands Kryptomarkt wird zur Bankensache

Nach der MiCA-Bereinigung: Deutschlands Kryptomarkt wird zur Bankensache – FinanceFWD

Zwei Monate nach dem endgültigen Ende der MiCA-Übergangsfrist zeigt sich, wer die neue Krypto-Ära in Europa prägt: Deutschland führt das EU-Feld mit 79 lizenzierten Anbietern an – doch die Gewinner sind nicht die Krypto-Startups, sondern klassische Banken.

Seit dem 1. Juli gibt es in der Europäischen Union keine Schonfrist mehr: Wer Handel, Verwahrung oder Tausch von Kryptowerten anbietet, braucht eine Zulassung als Crypto-Asset Service Provider (CASP) nach der MiCA-Verordnung. In Deutschland galt die volle Lizenzpflicht sogar schon seit dem 31. Dezember 2025 – der Gesetzgeber hatte die mögliche Übergangsfrist von 18 Monaten mit dem Kryptomärkteaufsichtsgesetz bewusst auf zwölf Monate verkürzt.

Das Ergebnis der Bereinigung ist deutlich: Ende August führte das öffentliche ESMA-Register 331 zugelassene CASPs im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum. Vor MiCA waren unter nationalen Registrierungen je nach Zählweise mehr als 1.000 Anbieter aktiv – ein Großteil ist verschwunden, hat aufgegeben oder ist in andere Jurisdiktionen abgewandert.

Deutschland vorn – dank der Genossen

Deutschland ist aus dieser Konsolidierung als klarer Spitzenreiter hervorgegangen: Die Bafin führt 79 zugelassene CASPs, vor Frankreich mit 35 und den Niederlanden mit 29. Hinzu kommen rund 170 Anbieter, die aus anderen EU-Staaten in den deutschen Markt notifiziert wurden.

Bemerkenswert ist, wer die neuen Lizenzen erhält. Allein im August kamen sechs weitere Institute hinzu – allesamt Genossenschaftsbanken, darunter die Raiffeisenbank Aidlingen, die Volksbank Euskirchen und die VR-Bank Mittelfranken Mitte. Es sind nicht spezialisierte Kryptofirmen, die den regulierten Markt erobern, sondern klassische Regionalbanken, die Bitcoin-Handel in ihr bestehendes Angebot integrieren.

Artikel 60 macht den Unterschied

Der Grund liegt in einer technischen Regel der Verordnung: Artikel 60 MiCA erlaubt bereits regulierten Instituten wie Kreditinstituten und Wertpapierfirmen ein vereinfachtes Anzeigeverfahren. Eine Bank, die Governance, Kapital und Meldewesen ohnehin vorhält, muss der Bafin die Aufnahme von Kryptodiensten lediglich 40 Arbeitstage vor dem Start anzeigen. Ein Krypto-Startup ohne bestehende Lizenz durchläuft dagegen den vollen, teuren Antragsprozess – mit Kosten, die schnell in die Hunderttausende gehen.

So wird der deutsche Kryptomarkt Stück für Stück zur Bankensache. Für Verbraucher hat das durchaus Vorteile: regulierte Anbieter, Einlagensicherungs-Strukturen im Hintergrund, vertraute Marken. Für die Fintech-Szene ist es eine Zäsur – die Eintrittshürden, die MiCA errichtet hat, wirken wie ein Burggraben für die Etablierten.

Die spannende Frage der kommenden Monate: Nutzen die lizenzierten deutschen Anbieter ihren Vorsprung, um über den EU-Pass europaweit zu expandieren? Oder wiederholt sich das Muster aus dem Banking – dass die Genossen ihre Lizenz zwar haben, das Geschäft aber den großen Plattformen überlassen?