Nach dem PFOF-Verbot: Trade Republic baut seinen Handel um

Das EU-Verbot von Payment for Order Flow hat das ursprüngliche Geschäftsmodell der Neobroker ins Mark getroffen. Trade Republic antwortet mit einem grundlegenden Umbau seiner Handelsinfrastruktur – und zeigt, wie das Neobroker-Modell nach den Rückvergütungen aussehen könnte.
Jahrelang funktionierte das Modell der Neobroker nach einem einfachen Prinzip: Orders wurden gebündelt an Handelsplätze wie Lang & Schwarz weitergeleitet, die dafür Rückvergütungen zahlten – Payment for Order Flow (PFOF). So konnten Anbieter wie Trade Republic den Handel für einen Euro pro Trade anbieten. Damit ist seit dem 30. Juni Schluss: Die deutsche Ausnahme vom EU-weiten PFOF-Verbot ist ausgelaufen, seither dürfen auch deutsche Broker kein Geld mehr dafür nehmen, dass sie Kundenorders an bestimmte Market Maker leiten.
Nur zwei Tage nach dem Stichtag präsentierte Trade Republic seine Antwort: eine neu gebaute Execution-Engine, die Kurse von 30 Handelsplätzen weltweit in Echtzeit vergleicht und Orders automatisch zum besten verfügbaren Preis ausführt. „Best Price“ nennt der Berliner Neobroker das System – es kostet Kunden keinen Aufpreis, es bleibt bei der bekannten Gebühr von einem Euro pro Transaktion.
Ein neuer Ordertyp – und ein Preisschild
Interessanter ist, was daneben entstanden ist: Mit „Direct Price“ führt Trade Republic erstmals einen kostenpflichtigen Premium-Ordertyp ein. Wer seine Order gezielt an eine bestimmte Börse schicken will – etwa Xetra, Euronext oder die Nasdaq –, zahlt dafür zwei Euro pro Transaktion, zuzüglich Drittkosten und Spreads. Dazu kommt „Trading Pro“, eine kostenlose Web-Oberfläche für aktive Anleger mit Echtzeitdaten, Screenern und Portfolio-Analysen.
Die Stoßrichtung ist klar: Trade Republic muss die weggefallenen PFOF-Erlöse ersetzen und setzt dabei auf ein Modell aus Skalierung, Zinserträgen und optionalen Zusatzdiensten – statt die Basisgebühr zu erhöhen. Mit mehr als zehn Millionen Kunden und rund 150 Milliarden Euro verwaltetem Vermögen hat das Unternehmen dafür die nötige Größe.
Druck auf die Konkurrenz
Für die Wettbewerber wird die Luft damit dünner. Wer als Neobroker weiter über wenige Handelsplätze routet, muss sich künftig am Maßstab von 30 Börsen und transparentem Best-Price-Routing messen lassen. Und die Preisfrage stellt sich für alle: Ohne Rückvergütungen müssen die Erlöse aus Spreads, expliziten Gebühren, Abos oder – wie bei Trade Republic – aus der eigenen Abwicklung kommen.
Das PFOF-Verbot, lange als Existenzbedrohung für die Neobroker gehandelt, entpuppt sich damit zumindest für den Marktführer als Katalysator: Es zwingt die Branche, ihre Infrastruktur zu professionalisieren – und beschleunigt die Konsolidierung zugunsten derer, die sich den Umbau leisten können.