N26-Gründer Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal vor Ablösung

Erneuter Ärger mit der Bafin und Unzufriedenheit mit den Ergebnissen: Einflussreiche Investoren verlieren die Geduld mit Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal – und fordern ihre Ablösung.
Die Auszeichnung ist gerade mal zwei Monate alt. Anfang Juni gehörte Valentin Stalf (39), Gründer und einer der Chefs der Berliner Digitalbank N26, zu den einflussreichsten Persönlichkeiten Deutschlands, gekürt von Medien des Axel-Springer-Verlages.
Inzwischen scheint klar: Es dürfte die letzte Ehrung sein, die Stalf als Chef von N26 erhalten hat. Nach Informationen von FinanceFWD sollen Stalf und auch Co-CEO Maximilian Tayenthal (45) vor der Ablösung stehen. Die beiden hatten die Bank ab 2013 zu einem der wertvollsten deutschen Start-ups ausgebaut. Jetzt drängen einflussreiche Investoren darauf, dass die beiden sich aus dem Tagesgeschäft verabschieden. Ihr Kredit sei aufgebraucht, sagt ein Insider. Ein anderer sieht die Lage so: Es sei nur noch die Frage, ob sie sich auf einen gesichtswahrenden Abgang einließen oder eine außerordentliche Hauptversammlung für ihre Absetzung einberufen werden müsse.
Der Unmut hat sich an der Finanzaufsicht entzündet. Eine Sonderprüfung der Bafin hat nach internen Schilderungen erneut Mängel im Risikomanagement zutage gefördert – ein Déjà-vu für Geldgeber, die schon die Wachstumsbremse der Jahre 2021 bis 2024 ausgestanden hatten. Damals begrenzte die Behörde zeitweise die Aufnahme von Neukunden auf 50.000 pro Monat und schickte einen Sonderaufpasser. Im Juni 2024 waren die Auflagen aufgehoben. Umso empfindlicher reagieren Investoren auf die Botschaft, dass die Bank in zentralen Kontrollfragen wieder nicht besteht.
Besonders im Blick: das Kreditgeschäft, namentlich die niederländische Hypothekentochter Neo. Wohnfinanzierung skaliert schnell, bindet Eigenmittel und duldet keine Prozesslücken. Für viele N26-Kunden bleibt die App ein Giro- und Kartenprodukt; in der Bilanz wächst ein Geschäft, das klassische Pfandbriefbanken besser kennen als App-Gründer. Die Aufsicht bewertet das nicht als Innovation, sondern als Organisationsrisiko. Schriftliche Verwarnungen der beiden Chefs gelten in Finanzkreisen als mögliche nächste Stufe – unabhängig davon, ob daraus sofort neue Wachstumsbremsen werden.
Wirtschaftlich hat N26 den Nimbus der Neun-Milliarden-Bewertung von 2021 längst verloren. Kapital ist teurer, Betrugsprävention frisst Marge, der Weg zur profitablen Vollbank dauert länger als Pitchdecks versprachen. Die Gründer bleiben als Gesichter und Anteilseigner mit der Bank verwoben. Genau das erschwert den Schnitt: Wer Stalf und Tayenthal aus dem Vorstand holen will, muss Macht, Stimmgewichte und Gesichtsverlust kalibrieren.
Ein gesichtswahrender Pfad würde Stalf eher in den Aufsichtsrat führen und Tayenthal übergangsweise im Vorstand lassen, bis ein bankerfahrener CEO sitzt. Beides wäre eine Demontage der Dual-CEO-Inszenierung, mit der N26 Jahre lang Kapital eingesammelt hat. Die härtere Variante wäre die außerordentliche Hauptversammlung. Dass Investoren diese Option überhaupt nennen, zeigt, wie weit das Vertrauen erodiert ist – zwei Monate nach einer Rangliste, die Stalf noch zur nationalen Elite zählte.
Die Ironie ist grob, das Muster bekannt. Fintech-Banken, die nach dem ersten Bafin-Schock Führung und Kreditprozesse professionalisiert haben, stehen heute ruhiger da. N26 hat die gelösten Fesseln gefeiert und ist in die nächste Prüfung gelaufen – mit einer Hypothekentochter, die das Risikoprofil der App-Bank verschoben hat. Einflussreiche Investoren wollen jetzt keine weitere Runde mit denselben Gesichtern an der Spitze. Ob Stalf und Tayenthal den Abgang selbst orchestrieren, entscheidet über den Rest ihres N26-Kapitals: die Anteile, den öffentlichen Namen und den Restkredit bei denselben Investoren, die sie einst zu Stars der Szene gemacht haben. Mit der Hypothekentochter Neo hat sich das Risikoprofil der App-Bank verschoben – und damit auch die Geduld derjenigen, die 2021 noch die Neun-Milliarden-Story gekauft haben.