N26, Bitpanda, Burda – die brisante Epstein-Connection des Schatteninvestors

Ian Osborne zählt zu den wichtigsten Start-up-Investoren. Sein Fonds Hedosophia, den er mit dem Verlagserben Jacob Burda startete, finanzierte später Milliardenfirmen wie N26, Raisin oder Bitpanda. Nun rücken seine engen Verbindungen zu Jeffrey Epstein in den Fokus.
Jedes Jahr findet in Berlin eine Geheimparty der Gründerszene statt. Am Rande der Private-Equity-Konferenz „Superreturn“ steigt die Feier – invite only. Nach einem Dinner mit rund 300 der wichtigsten Start-up-Köpfe folgt das Highlight des Abends: ein Überraschungs-Act. In den vergangenen Jahren traten etwa Megastar Usher (47), die Band Duran Duran oder der US-Rapper Flo Rida (46) auf. Gastgeber der exklusiven Party: Ian Osborne (42), der Gründer des Wagniskapitalfonds Hedosophia.
Für die Öffentlichkeit ist der Schotte Osborne ein Phantom. Der geheimnisvolle Investor meidet Konferenzauftritte genauso wie Interviews. Dabei zählt Osborne mit seinem Fonds zu den wichtigsten Geldgebern der europäischen Start-up-Szene. Dass er Milliardenfirmen wie die Neobank N26, die Kryptoplattform Bitpanda oder die Logistikfirma Sennder mitfinanziert hat, ist vielen gar nicht bekannt. Hedosophia, gemeinsam mit dem Verlagserben Jacob Burda gestartet, gehörte über Jahre zu jenen Wachstumsfonds, die europäische Consumer- und Fintech-Champions durch späte Runden trugen – oft still, selten mit großem Namen auf der Bühne.
Die nun veröffentlichten Dokumente des US-Justizministeriums ermöglichen einen seltenen Blick auf Osbornes Geschäftsgebaren – und auf seine enge Beziehung zu dem 2019 im Gefängnis verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Die Akten, die Washington schrittweise öffentlich gemacht hat, ziehen Namen aus Wirtschaft, Politik und Unterhaltung in ein Licht, das die Betroffenen jahrzehntelang vermieden. Osborne, der sich sonst jeder öffentlichen Festlegung entzieht, taucht darin als einer jener Finanzakteure auf, deren Nähe zu Epstein nun nachgezeichnet wird.
Was die Papiere sichtbar machen, ist weniger ein einzelnes Geschäft als ein Beziehungsgeflecht: Epstein pflegte über Jahre den Zugang zu Vermögenden, Stiftungen und Dealmakern. Dass ein europäischer Wachstumsinvestor, der später in N26, Raisin und Bitpanda schrieb, in diesem Umfeld vorkommt, verschiebt die Geschichte von einer US-Strafakte in die Berliner und Londoner Start-up-Ökonomie. Portfoliofirmen, die Osbornes Kapital nahmen, als Hedosophia noch als diskreter Qualitätsstempel galt, müssen sich die Frage gefallen lassen, wen sie da eigentlich an Bord geholt haben.
Öffentlich hat Osborne zu den Vorgängen bisher nicht Stellung bezogen – passend zu einem Mann, der Interviews meidet und seine Präsenz auf geladenen Abenden statt auf Panels organisiert. Die Superreturn-Party in Berlin war genau das: ein geschlossener Raum, in dem Kapital, Prominenz und Gründer aufeinandertreffen, ohne dass ein Livestream mitläuft. Usher, Duran Duran, Flo Rida – die Acts unterstreichen, welches Budget und welches Netzwerk hinter dem Auftritt stecken. Der Kontrast zur nun sichtbaren Epstein-Nähe könnte schärfer kaum sein.
Für die europäische Gründerszene ist das unangenehm, weil Hedosophia keine Randfigur war. N26, Raisin, Bitpanda, Sennder: Das sind keine Nischenwetten, sondern Firmen, die den Anspruch europäischer Tech-Skalierung mitgetragen haben. Ein stiller Mitfinancier, der Konferenzen meidet, war lange ein Vorteil – weniger Lärm, mehr Kapital. Wenn US-Behördenakten dieselbe Person in die Nähe eines verurteilten Sexualstraftäters rücken, wird aus Diskretion plötzlich Erklärungsbedarf.
Die Dokumente ersetzen kein Gerichtsurteil über Osborne. Sie machen aber öffentlich, was bisher im Hintergrund blieb: dass einer der einflussreichsten Start-up-Geldgeber Europas eine enge Beziehung zu Epstein unterhielt. Für Investoren, Gründer und Aufsichtsräte der finanzierten Firmen heißt das vor allem eines: Die Phantomexistenz, die Osborne so sorgfältig gepflegt hat, trägt in der Öffentlichkeit nicht mehr. Die Superreturn-Party mag weiter invite only sein. Der Name des Gastgebers ist es nicht mehr.