Klingbeil macht Ernst: Die Krypto-Haltefrist steht vor dem Aus

Die SPD bekräftigt ihren Plan, die einjährige Haltefrist für Kryptowährungen abzuschaffen. Rund zwei Milliarden Euro Mehreinnahmen verspricht sich Finanzminister Lars Klingbeil von der Reform – für deutsche Anleger wäre es die größte steuerliche Zäsur seit Jahren.
Es ist die Regel, auf der ein guter Teil der deutschen Krypto-Kultur aufgebaut ist: Wer Bitcoin, Ether oder andere Kryptowährungen länger als zwölf Monate hält, verkauft steuerfrei. Diese Haltefrist hat Deutschland international zu einem der attraktivsten Standorte für langfristige Krypto-Anleger gemacht. Nun steht sie vor dem Aus.
Am Dienstag bekräftigte die SPD um Bundesfinanzminister Lars Klingbeil ihren Willen, die einjährige Haltefrist abzuschaffen. Künftig sollen Gewinne aus Krypto-Verkäufen unabhängig von der Haltedauer besteuert werden – so wie es bei Aktienerträgen längst der Fall ist. „Wer mit Kryptowerten Gewinne erzielt, soll künftig ebenso seinen Beitrag zur Finanzierung des Gemeinwesens beitragen wie derjenige, der seinen Arbeitslohn oder Aktienerträge versteuert“, heißt es dazu bereits im Entwurf für den Bundeshaushalt 2027, den das Kabinett am 6. Juli beschlossen hat.
Zwei Milliarden Euro für den Haushalt
Der fiskalische Anreiz ist klar: Rund zwei Milliarden Euro zusätzliche Steuereinnahmen erwartet die SPD von der Reform – Geld, das Lücken im Bundeshaushalt schließen soll. Die Kryptobesteuerung ist im Haushaltsentwurf ausdrücklich als Konsolidierungsmaßnahme aufgeführt.
Der Zeitplan ist ambitioniert. Das Bundesfinanzministerium hat über den Sommer am Referentenentwurf gearbeitet, es folgt die Anhörung der Verbände. Nach der parlamentarischen Sommerpause soll das Gesetzespaket im Zuge der Haushaltsdebatte in den Bundestag eingebracht werden. Die entscheidenden Verhandlungen sind zwischen September und November im Finanz- und Haushaltsausschuss angesetzt, die finale Abstimmung im Bundestag ist für Ende November oder Anfang Dezember geplant. Der Bundesrat soll am 18. Dezember über das Paket entscheiden – damit die Reform noch vor dem Jahreswechsel in Kraft treten kann.
Streit um Altbestände und Verlustverrechnung
Genau in diesem engen Zeitplan liegen aber auch die größten Unsicherheiten. Zwei Punkte dürften für intensive Debatten sorgen: die steuerliche Verlustverrechnung und der Bestandsschutz für Krypto-Altbestände. Offen ist insbesondere, ob Anleger, die ihre Coins vor Inkrafttreten der Reform gekauft haben, weiterhin nach den alten Regeln steuerfrei verkaufen dürfen – oder ob die neue Besteuerung auch rückwirkend auf Altbestände durchschlägt.
Für die deutsche Kryptobranche kommt die Reform zur Unzeit. Gerade erst hat sich der Markt nach der vollständigen MiCA-Umsetzung neu sortiert, viele Anbieter werben mit dem Standortvorteil Deutschland. Fällt die Haltefrist, verliert der Standort eines seiner stärksten Argumente gegenüber Ländern wie Portugal oder der Schweiz. Anleger, die auf die Steuerfreiheit gesetzt haben, dürften ihre Strategie überdenken – und mancher dürfte den Verkauf von Altbeständen noch in dieses Jahr vorziehen, solange die alte Rechtslage gilt.
Sicher ist die Abschaffung allerdings noch nicht: Ein finales Gesetz gibt es bislang nicht, und die Detailfragen sind zahlreich. Klar ist nur die Richtung – und die politische Entschlossenheit, die Klingbeil und seine Partei diese Woche noch einmal demonstriert haben.