Start-up-Investor Jasper Masemann heuert bei Discovery Ventures an

Jasper Masemann verlässt den Berliner Frühphasen-Investor Cherry und wird General Partner bei Discovery Ventures. Hinter dem Fonds stehen Jan Deepen und Stefan Jeschonnek, die unter anderem mit Investments in Trade Republic und Navan ein beachtliches Portfolio aufgebaut haben.
Der Fonds Discovery Ventures ist einer der Berliner Hidden Champions: Jan Deepen und Stefan Jeschonnek bauen den Frühphasen-Investor seit 10 Jahren ohne viel Aufsehen auf. Seitdem sie ihr Buchhaltungs-Start-up Zeitgold an die Milliardenfirma Deel verkauft haben, fokussieren sie sich komplett auf ihre Investments. Zu den frühen Wetten zählen etwa der Neobroker Trade Republic oder das Lieferstart-up Flaschenpost, das für rund 1 Milliarde Euro verkauft wurde. Die Gründer, die neben Zeitgold auch SumUp mitgegründet haben, gelten in der Stadt als stille, aber treffsichere Kapitalgeber.
Für den vierten Fonds holen die Fondsmacher nun Jasper Masemann mit an Bord, der von Cherry Ventures kommt. Er soll den jungen Teams mit seiner Fundraising-Expertise helfen. Mit dem Start bei Discovery Ventures wolle er sich wieder sehr frühphasigen Investments zuwenden, bei denen er stärker involviert sei, heißt es. Der Wagniskapitalgeber investiert in der Regel, wenn das Team mit der Idee startet. Die Fondspartner sind dabei in den wichtigen ersten Monaten auch operativ involviert. Deepen bringt seine Expertise für den Marktstart ein, während Jeschonnek als Produktspezialist im Team agiert. Seit Kurzem sind sie auch mit einem eigenen Roll-up-Fonds gestartet.
Masemann ist im neuen 40-Millionen-Euro-Fonds gleichwertiger General Partner. Auch wenn die ehemaligen Gründer sicherlich einen größeren Fonds hätten einsammeln können, bleiben sie bewusst bei der Größe der früheren Fonds. Bei den wenigen Deals, die sie eingehen, wollen sie sich anfangs intensiv einbringen.
Vierzig Millionen Euro klingen in einer Stadt, in der Growth-Runden in Hunderten Millionen gemessen werden, fast altmodisch. Genau das ist das Produkt. Discovery schreibt keine Schecks, um in der Serie B mitzusitzen, sondern sitzt am Küchentisch, wenn die GmbH noch keinen Vertrieb hat. Deepen kennt den Go-to-Market aus eigener Gründung, Jeschonnek das Produkt, Masemann das Einsammeln der nächsten Runde – eine Arbeitsteilung, die in der Pre-Seed-Phase mehr zählt als ein Markenname auf dem Term Sheet. Cherry Ventures, Masemanns bisherige Station, ist größer, sichtbarer, weiter in der Nahrungspyramide. Der Wechsel zurück an den Ursprung ist ein Statement: Er will wieder Deals, bei denen der Partner noch mitbaut.
Das Portfolio erklärt, warum Limited Partner den kleinen Fonds trotzdem ernst nehmen. Trade Republic wurde zum europäischen Spar- und Brokerage-Schwergewicht. Flaschenpost ging für rund eine Milliarde Euro an einen Konzern. Navan, die Reiseplattform, zählt zu den internationalen Softwarewetten der Berliner. SumUp und Zeitgold sind die Gründerbiografie, nicht nur die Kapitalgeberrolle. Wer so früh in Kategorien gewinnt, darf beim vierten Fonds klein bleiben, ohne als unambitioniert zu gelten. Ein Roll-up-Vehikel daneben zeigt, dass Deepen und Jeschonnek auch den anderen Berliner Trend gelesen haben: nicht nur Venture, sondern das Zusammenkaufen von Mittelstand mit Softwarehebel.
Masemanns Aufgabe ist unsentimental. Junge Teams scheitern in Deutschland oft nicht an der Idee, sondern an der zweiten Finanzierungsrunde, an US-Vergleichen und an einem Cap Table, der später niemanden mehr anzieht. Fundraising-Expertise heißt, die Gründer so aufzustellen, dass Sequoia oder ein Münchner Family Office nicht sofort abspringt. Als gleichwertiger GP im 40-Millionen-Fonds hat er dafür Stimmrecht, nicht nur eine Visitenkarte.
Berlin hat viele laute Fonds. Discovery bleibt leise, klein und früh. Der vierte Fonds mit Masemann ist keine Expansion um der Expansion willen, sondern die Wette, dass operative Nähe in den ersten Monaten immer noch der knappste Rohstoff der Stadt ist – knapper als Kapital.