Iwoca kooperiert mit Tide in Deutschland

Iwoca kooperiert mit Tide in Deutschland – FinanceFWD

Die Business-Bank Tide kooperiert künftig in Deutschland mit der Kreditplattform Iwoca. Auf diesem Weg können Geschäftskunden über die Banking-App Kredite in Höhe von bis zu einer halben Million Euro beantragen. Beide Finanz-Start-ups arbeiten bereits in ihrem Heimatmarkt Großbritannien zusammen.

Erst vor knapp einem Monat ist das Business-Banking-Start-up Tide zum Milliarden-Unternehmen aufgestiegen. Der deutsche CEO Oliver Prill konnte eine 120-Millionen-Dollar-Finanzierung verkünden – Kapital, das wohl in die globale Expansion fließen wird. Das Unternehmen plant, sich in Deutschland weiter auszubreiten. Die ehemalige PayPal-Managerin Anna Fromme-Schoen leitet die Geschäfte hierzulande.

Nun rollt die Firma eine Partnerschaft in Deutschland aus: Künftig können die kleinen und mittleren Geschäftskunden Kredite in Höhe von bis zu einer halben Million Euro über die App erhalten. Dafür arbeitet die Firma mit dem deutsch-britischen Start-up Iwoca zusammen, das als Kreditplattform die Darlehen vergibt. Die beiden Firmen kooperieren in Großbritannien bereits seit mehreren Jahren. Tide zählt dort zu den wichtigsten neuen Banking-Playern. Bei dem Fintech soll die Risikoprüfung für Firmenkunden im Gegensatz zu Banken nur Minuten dauern. Mit dem Kredit können sie Waren oder Investitionen vorfinanzieren.

Iwoca zählt zu den deutschstämmigen Hoffnungsträgern im Ausland. Christoph Rieche hat die Firma 2012 gegründet und leitet sie nach mehr als zehn Jahren immer noch. Deutschland gehört für die Firma zu einem der wichtigsten Märkte. Partner wie Tide sind dabei Teil der Wachstumsstrategie von Iwoca.

Der deutsche KMU-Kreditmarkt ist genau der Engpass, den beide adressieren. Hausbanken verlangen Unterlagen, Sicherheiten und Zeit; viele Selbstständige und kleine GmbHs brauchen stattdessen eine Linie, wenn die Ware für das Quartal bezahlt werden muss. Iwoca hat sich auf genau diese Lücke spezialisiert: standardisierte, vergleichsweise schnelle Betriebsmittelkredite, oft ohne den Filialtermin. Tide liefert das Konto, den Zahlungsverkehr und die Daten, aus denen sich eine Risikoprüfung in Minuten speisen lässt – Transaktionen, die eine klassische Bankakte nicht in dieser Frische kennt. Die britische Kooperation war der Prototyp. Deutschland ist die logische Kopie, weil Fromme-Schoen hier skaliert und Rieche den Markt ohnehin als Kerngebiet behandelt.

Für Tide ist der Kredit kein altruistisches Extra. Wer das Konto führt, aber die Finanzierung der Hausbank überlässt, bleibt austauschbar. Wer bis zu 500.000 Euro in der App beantragbar macht, erhöht die Klebrigkeit und verdient an Vermittlung oder am gemeinsamen Buch. Die 120 Millionen Dollar frisches Kapital und der Sprung über die Milliardenbewertung geben Prill den Spielraum, Produkte zu bündeln statt nur Konten zu zählen. Gleichzeitig bleibt Tide auf Partner angewiesen: Eine volle Kreditbilanz nach Bankengesetz ist teurer als eine Plattform, die Anträge an Iwoca durchreicht.

Rieche hält Iwoca seit 2012 auf einem unaufgeregten Pfad: kein Konsum-Fintech-Hype, sondern Unternehmenskredite, erst in Großbritannien, dann in Deutschland und weiteren Märkten. Die Abhängigkeit von Partnerbanken und Investoren ist Teil des Modells; die Abhängigkeit von Vertriebskanälen wie Tide ist die Wachstumsstory. Wenn die Risikoprüfung Minuten dauert, verschiebt sich das Risiko ins Portfolio – dorthin, wo Ausfälle in einer Rezession sichtbar werden. Beide Seiten wissen das. Trotzdem ist die deutsche Ausrollung ein Signal: Digitales Geschäftskonto und schneller Kredit gehören für KMU zusammen, sonst bleibt die App ein schöner Ersatz fürs Online-Banking der Sparkasse.

Ob aus der Partnerschaft ein Standard für den Mittelstand wird, entscheidet die Qualität der Kredite, nicht die Pressemitteilung. Prill hat das Kapital, Fromme-Schoen den deutschen Markt, Rieche die Bilanz der Plattform. Eine halbe Million Euro Obergrenze reicht für Warenlager und Maschinen kleiner Betriebe – nicht für Industrie. Genau dort, zwischen Handwerk und Scale-up, entscheidet sich, ob Tide in Deutschland mehr wird als ein britisches Konto mit deutschem CEO.