Influencer verklagt Meta wegen Betrugsmasche auf Instagram

Influencer verklagt Meta wegen Betrugsmasche auf Instagram – FinanceFWD

Kriminelle werben mit Fakeprofilen von Thomas Kehl in sozialen Netzwerken mit zweifelhaften Angeboten. Der Finanzfluss-Gründer mit Millionen Followern will nun die Instagram-Mutter Meta zur Rechenschaft ziehen.

Während seines letzten Sommerurlaubs erlebte Thomas Kehl (35) die erste große Betrugswelle. Kriminelle kopierten 2024 massenhaft sein Profil in sozialen Netzwerken wie Instagram oder Facebook. Mit den Doppelgängern des Influencers versuchten sie, ihre Opfer in Chatgruppen zu locken – und sie dort mit obskuren Geldanlagemaschen abzuzocken. „Ich habe mir extreme Sorgen gemacht, dass Leute zu Schaden kommen und dafür mein Name benutzt wird“, sagt Kehl. 186 Fakeprofile identifizierte sein Team seit den ersten Vorfällen.

Kehl gehört mit dem Kanal Finanzfluss zu den bekanntesten Finanzbildnern des Landes. Mehr als eine Million Menschen folgen den Erklärungen zu ETFs, Zinsen und Altersvorsorge – genau die Autorität, die Betrüger brauchen, damit ein gefälschtes Investment glaubwürdig wirkt. Die Masche ist standardisiert: Anzeigen oder Profile mit seinem Gesicht, ein Chat auf WhatsApp, vermeintliche Trading-Signale, dann der Verlust. Die Marke, die Kehl gegen unseriöse Tipps aufgebaut hat, wird zur Köderfolie.

Vor dem Landgericht Frankfurt hat Finanzfluss deshalb Klage gegen Meta eingereicht. Kehl will erwirken, dass der Konzern seiner Verantwortung nachkommt und Dritte auf Instagram und Facebook nicht mit seinem Namen und seiner Marke werben. Nach der Meldung gefälschter Konten passierte oft lange nichts, schildert er; teils seien Hinweise sogar abgelehnt worden. YouTube sei im Vergleich deutlich effektiver darin, Nachahmer zu entfernen. Eine Meta-Sprecherin erklärte öffentlich, man erlaube keine Inhalte, die andere absichtlich täuschen oder betrügen sollen, und arbeite ständig daran, Betrug von der Plattform zu nehmen.

Juristisch ist der Fall mehr als ein Prominentenstreit. Plattformen müssen rechtswidrige Profile löschen, sobald sie Kenntnis haben. Ungeklärt bleibt, wie weit die Pflicht reicht, sinngleiche Fakes von selbst zu erkennen – über Bildabgleich, Namenscluster, wiederkehrende Werbekonten. Der Digital Services Act verpflichtet sehr große Plattformen in der EU zu Systemen gegen illegale Inhalte; Schadensersatz für geprellte Anleger ist damit noch nicht automatisch verbunden. Genau diese Lücke will Kehl schließen: nicht nur Löschung auf Zuruf, sondern Vorsorge, bevor das nächste Doppelgänger-Konto Opfer findet.

Für Meta ist Identitätsmissbrauch ein Massenphänomen, das Moderationsteams und Werbealgorithmen überfordert. Für Finanzfluss ist es existenziell, weil jeder erfolgreiche Betrug die Glaubwürdigkeit des echten Kanals beschädigt. Kleinere Creator ohne Kanzlei bleiben auf Meldeformularen sitzen. Kehl macht die Auseinandersetzung bewusst öffentlich, damit der Präzedenzfall nicht nur seinem Gesicht gilt. Ob das Gericht Meta zu proaktiven Filtern zwingt oder bei der bekannten Kenntnis-Logik bleibt, wird über die nächsten Betrugswellen mitentscheiden.

Die Klage vor dem Landgericht Frankfurt ist damit auch ein Test, ob prominente Opfer mehr erreichen als das Meldeformular. Kehl dokumentiert Fakes, schaltet Anwälte ein und macht die Schrift öffentlich, damit kleinere Creator die Argumente übernehmen können. Meta verweist auf Gemeinschaftsstandards und laufende Betrugsbekämpfung. Dazwischen liegen die Tage, in denen ein Doppelgänger online bleibt – genug Zeit für eine WhatsApp-Gruppe und eine Überweisung, die niemand zurückholt.

Bis dahin gilt für Nutzer die unschöne Regel: Weder Kehl noch Finanzfluss vertreiben Geheimtipps in Chatgruppen. Wer eine Nachricht von einem vermeintlichen Doppelgänger erhält, sollte das Profil über die Plattform melden und kein Geld überweisen. Der Influencer kann 186 Fakes zählen. Verhindern kann er sie allein nicht – dafür braucht er einen Konzern, der sein Gesicht nicht länger als kostenlose Vorlage für Anlagebetrug behandelt. Ausgerechnet ein Kanal, der gegen Zockerei und Heilsversprechen antritt, wird so zur Folie für denselben Betrug. Ob Doppelgänger in Stunden oder erst nach Tagen verschwinden, entscheidet darüber, wie viel Zeit Chatgruppen haben, Opfer abzuschöpfen.