Führungswechsel Bitpanda-CEO Eric Demuth tritt ab

Führungswechsel bei der Kryptohandelsplattform Bitpanda: Der Gründer wechselt mit sofortiger Wirkung in die Rolle des Chairman. Neuer Chef des Unternehmens wird der bisherige Co-CEO Lukas Enzersdorfer-Konrad.
Bitpanda-Gründer Eric Demuth (38) tritt von seinem CEO-Posten ab. Nach elf Jahren als Gründer und CEO werde er an diesem Montag seine neue Rolle Executive Chairman und President der Bitpanda Group AG übernehmen, erklärte Demuth in einem Post auf der Karriereplattform LinkedIn.
Neuer alleiniger CEO der Kryptohandelsplattform ist Lukas Enzersdorfer-Konrad, der bislang gemeinsam mit Demuth als Co-CEO des Unternehmens fungierte. Der Wechsel sei das Ergebnis eines Übergabeplans, an dem sie ein Jahr lang gearbeitet hätten, so Demuth in seiner Erklärung. In der neuen Rolle werde er weiter eng mit Enzersdorfer-Konrad und den operativen Teams zusammenarbeiten. „Lukas ist jetzt der alleinige CEO und ich freue mich darauf, ihn noch mehr zu ärgern als bisher“, fügte er mit einem Smiley hinzu.
Demuth hatte Bitpanda 2014 gemeinsam mit Paul Klanschek und Christian Trummer gegründet. Inzwischen ist aus der „verrückten Idee von drei Freunden in einer Wiener Wohnung“ (Demuth) eine der führenden Kryptohandelsplattformen in Europa geworden. Laut eigenen Angaben hat das Unternehmen rund sieben Millionen Kunden und mehr als 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Seit der Gründung ist Bitpanda in den meisten Jahren profitabel gewesen. Zuletzt profitierte die Demuth-Truppe stark vom Krypto- und Bitcoin-Boom. 2024 hatte sich der Umsatz auf 393 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Das Unternehmen wies außerdem eine Ebitda-Marge von mehr als 30 Prozent aus – von solchen operativen Renditen können klassische Finanzfirmen nur träumen.
Von Investoren wurde Bitpanda zuletzt mit rund 4,1 Milliarden Dollar bewertet; auch Demuth gehören noch maßgebliche Anteile an der Firma, deren Holding in Zürich sitzt. Bitpanda wurde immer wieder auch als Kandidat für einen möglichen Börsengang gehandelt.
Der neue Chef war nach Stationen bei den österreichischen Banken Erste Group und Raiffeisen 2018 zu Bitpanda gekommen. Er fungierte zunächst als Chief Operating Officer, ab 2022 als Stellvertreter von Demuth und seit August 2025 als Co-CEO. Bei seinem Wechsel an die Spitze hatte er im Sommer schon Mitgründer Klanschek ersetzt, der wie jetzt Demuth in den Aufsichtsrat gewechselt war.
Die Choreografie ist die eines Unternehmens, das erwachsen werden will, ohne den Gründungsmythos zu kappen. Demuth bleibt als Executive Chairman und President sichtbar, als Großaktionär relevant und als Markengesicht der Szene erhalten. Operativ liegt die Verantwortung nun bei einem Banker, der Compliance, Prozesse und Skalierung kennt – Fähigkeiten, die unter MiCA, mit sieben Millionen Kunden und einer möglichen IPO-Option schwerer wiegen als das Image des Krypto-Rebellen. Dass Klanschek denselben Weg in den Aufsichtsrat schon im Sommer ging, zeigt: Der Übergabeplan war kein spontaner LinkedIn-Einfall, sondern Teil einer Governance, die Investoren und Aufsicht lesen können.
Für Bitpanda kommt der Schnitt in einem günstigen Fenster. Die Plattform hat den letzten Boom in Umsatz und Marge übersetzt, sitzt in der EU mit einer verständlichen Marke und konkurriert mit globalen Börsen ebenso wie mit Neobrokern, die Krypto als Feature mitverkaufen. Gleichzeitig bleibt das Geschäft zyklisch: Handelsumsätze schwingen mit Bitcoin, Regulatorik verteuert das Angebot, und eine Bewertung von 4,1 Milliarden Dollar will an den öffentlichen Märkten erst bewiesen sein. Enzersdorfer-Konrad muss die Profitabilität halten, ohne das Produkt zu langweilen. Demuth darf, wie er selbst formuliert, den neuen CEO ärgern – und sich aus dem Tagesgeschäft lösen, bevor ein Börsengang oder die nächste Krypto-Baisse genau das erzwingen würde. In der Wiener Wohnung fing es an. An der Spitze einer Zürcher Holding mit Banker-CEO endet die Gründerära, zumindest auf dem Papier.