Fifa im Visier – Behörden prüfen Ticketsystem zur WM

Fifa im Visier – Behörden prüfen Ticketsystem zur WM – FinanceFWD

Mit einem neuen Kryptoangebot wollte der Weltverband Fifa zusätzliche Einnahmen aus dem Ticketverkauf zur WM 2026 generieren. Jetzt schaltet sich die deutsche Glücksspielaufsicht ein. In der Schweiz ist das Angebot nach einer Strafanzeige bereits offline.

Neuer Ärger für Fifa-Boss Gianni Infantino (55). Sein Weltfußballverband ist wegen des Ticketsystems für die anstehende Fußball-WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko ins Visier der deutschen Behörden geraten. Über die Blockchain-Plattform Fifa Collect vermarktet der Verband seit Monaten sogenannte Right-to-buy-Token, mit denen Fans ein Vorkaufsrecht für ausgewählte Spiele erwerben können. Das Versprechen klingt nach Privilegienwirtschaft im Digitalen: Wer Token hält, soll vor dem freien Verkauf an Tickets kommen – und die Fifa kassiert zusätzlich zum klassischen Kartenpreis eine kryptobasierte Vorstufe.

Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder prüft nun jedoch, ob das Token-Angebot überhaupt legal ist oder gegen deutsches Glücksspielrecht verstößt. „Der Vorgang wird derzeit unter Zugrundelegung der einschlägigen deutschen Rechtsvorschriften, insbesondere des Glücksspielstaatsvertrags 2021, überprüft“, erklärte eine Sprecherin auf Anfrage. Der Fall liege seit Anfang Januar 2026 im Ressort „Bekämpfung unerlaubtes Glücksspiel/Werbung“. Allein die Zuständigkeit sagt, wie die Behörde den Sachverhalt vorläufig einordnet: nicht als harmlose Fan-Memorabilien, sondern als mögliches unerlaubtes Glücksspiel.

Rechtlich hängt viel an der Frage, ob der Token ein bloßes Vorkaufsrecht mit festem Nutzen ist – oder ein Los, bei dem Einsatz, Zufall und Gewinnchance zusammenkommen. Right-to-buy-Token können, je nach Ausgestaltung, wertlos bleiben, wenn Spiele ausgelost, kontingentiert oder überbucht sind. Genau solche Unsicherheit über den wirtschaftlichen Erfolg des Einsatzes ist der Stoff, aus dem der Glücksspielstaatsvertrag 2021 erlaubnispflichtige Spiele definiert. Die Fifa dagegen rahmt das Produkt als digitales Sammel- und Zugangsobjekt auf der Blockchain-Plattform Fifa Collect.

In der Schweiz ist das Angebot nach einer Strafanzeige bereits offline. Der Verband, der in Zürich zu Hause ist, bekommt den Konflikt damit vor der eigenen Haustür: Was in einem Land als Fan-Token durchgehen soll, wird im Nachbarland strafrechtlich angegriffen und vom Netz genommen. Für Infantino ist das mehr als ein Compliance-Nackenschlag. Die WM 2026 soll kommerziell die größte der Geschichte werden; jedes Zusatzprodukt am Ticketmarkt – dynamische Preise, Packages, nun Krypto-Vorkauf – steht unter Beobachtung von Fans, Behörden und politischen Gastgebern in Nordamerika.

Deutschland ist für die Fifa kein Randmarkt. Deutsche Fans reisen, kaufen, streamen – und fallen unter den Glücksspielstaatsvertrag, sobald ein Angebot hier beworben oder vertrieben wird. Dass die Prüfung bei der Bekämpfung unerlaubten Glücksspiels und unerlaubter Werbung liegt, zielt nicht nur auf den Token selbst, sondern auf die Art, wie er an Verbraucherinnen und Verbraucher herangetragen wird. Eine Sprecherin der Behörde bestätigt den Vorgang, ohne das Ergebnis vorwegzunehmen. Allein die Eröffnung reicht, um das Geschäftsmodell öffentlich unter Rechtfertigungsdruck zu setzen.

Infantino hat den Weltverband auf Kommerzialisierung getrimmt: mehr Teams, mehr Spiele, mehr Rechtefenster. Fifa Collect fügt die Blockchain hinzu, in der Hoffnung, Sammler und Spekulanten an den Ticketmarkt zu binden, bevor die Karten überhaupt in den klassischen Verkauf gehen. Zusätzliche Einnahmen aus dem Ticketverkauf waren das Ziel. Herausgekommen ist zunächst ein Behördenverfahren in Deutschland und ein offline geschaltetes Angebot in der Schweiz.

Ob Right-to-buy-Token am Ende als erlaubnispflichtiges Glücksspiel gelten, entscheidet nicht die Marketingabteilung in Zürich, sondern die Auslegung des Glücksspielstaatsvertrags 2021. Bis dahin bleibt das Krypto-Vorkaufsrecht ein Produkt im Schwebezustand: in Deutschland unter Prüfung, in der Schweiz bereits gestoppt, für die WM 2026 ein Risiko auf der Einnahmeseite. Für den Fifa-Boss ist das der neueste Ärger in einer Reihe von Konflikten um Geld, Macht und die Grenzen dessen, was sich rund um ein Turnier noch verkaufen lässt.