„Eine phänomenale Zeit für Investitionen“

„Eine phänomenale Zeit für Investitionen“ – FinanceFWD

Der Milliardär Orlando Bravo, Chef eines weltweit führenden Techinvestmentfonds, erwartet für die Trump-Jahre eine Geldschwemme für die deutsche Digitalwirtschaft.

Unter den Techinvestoren ist Thoma Bravo eine der Adressen für die ganz großen Deals. Vor wenigen Wochen verkündete die Firma, Boeing unter anderem die Digitaltochter Jeppesen abzukaufen und dafür knapp 11 Milliarden Dollar an den sanierungsbedürftigen Flugzeugbauer zu zahlen. Es war eine der wenigen großen Private-Equity-Übernahmen der vergangenen Monate – und ein Vorgeschmack auf eine ähnlich große Übernahme in Europa, behauptet der selbst wohl 10 Milliarden Dollar schwere Gründer Orlando Bravo (54).

Die Branche trifft sich zur SuperReturn in Berlin – in einer Phase, in der Beteiligungsverkäufe stocken, Fonds Geldgeber um Geduld bitten und Trumps Handelspolitik die Konjunktur verunsichert. Bravo gibt sich unbeeindruckt. „Wir blicken unglaublich positiv auf Dinge, immer“, sagt er. „Wir bekommen als Branche sehr viel Geld, unser Geschäft ist also nie einfach. Und in unsicheren Zeiten Unternehmen zu kaufen, bietet phänomenale Gelegenheiten: Manche Verkäufer steigen zum falschen Zeitpunkt aus, weil sie den wahren Wert der Menschen, Produkte, Technologie und Kunden in ihren Firmen nicht erkennen.“

Genau diese Haltung hat Thoma Bravo groß gemacht: Software kaufen, Kosten und Preise disziplinieren, mit Schulden hebeln, weiterverkaufen oder an die Börse bringen. Der Jeppesen-Deal zeigt, dass selbst angeschlagene Industriekonzerne digitale Kronjuwelen heben, wenn der Kapitalmarkt Engpässe diktiert. Bravo liest daraus einen Zyklus: Wer Cash braucht, verkauft Tech. Wer Fonds hat, kauft. Europa und speziell Deutschland seien in den kommenden Jahren Nutznießer, weil hier Software im Mittelstand und in Konzerntöchtern noch unterbewertet sei – und weil US-Kapital nach allokierbaren Assets suche, sobald Zölle und Politik die Heimatmärkte unübersichtlich machen.

Ob daraus wirklich eine Geldschwemme für die deutsche Digitalwirtschaft wird, hängt an mehr als an Bravos Optimismus. Unverteiltes Kapital in den Globalfonds ist hoch, Exit-Fenster sind eng, Finanzierungen teurer als 2021. Deutschland bietet Ingenieurssoftware, Industrie-IT und unterdigitalisierte Mittelständler – und zugleich langsame Prozesse, Mitbestimmung, regulatorische Dichte. Bravo verkauft die These, Unsicherheit sei ein Feature, kein Bug: Verkäufer, die den wahren Wert nicht sehen, sind seine Gegenseite im Deal. In den Trump-Jahren, so seine Lesart, wird genau diese Lücke größer, weil Politik und Zölle Planungen durcheinanderwirbeln und digitale Assets trotzdem gebraucht werden. Für die deutsche Digitalwirtschaft hieße das: mehr Kapital, mehr Übernahmen, mehr Druck auf Gesellschafter, die Softwaretochter lieber heute als morgen heben.

Für den SuperReturn-Zirkus ist das die gewünschte Botschaft. Limited Partners wollen hören, dass ihre Commitments nicht in einem toten Markt liegen. Deutsche Gründer und GmbH-Gesellschafter sollen hören, dass ein 11-Milliarden-Dollar-Scheck kein amerikanisches Unikat bleiben muss. Bravo hat den Anreiz, beides zu sagen: Thoma Bravo braucht Pipeline in Europa, wenn der Heimatmarkt politisch volatil bleibt. Dry Powder allein bewegt noch keine Übernahme; es braucht Verkäufer, die unter Unsicherheit den Preis akzeptieren, den ein Software-Buyout-Haus zahlt.

Eine „phänomenale Zeit für Investitionen“ ist in der Sprache von Buyout-Investoren oft die Zeit, in der andere verkaufen müssen. Jeppesen war ein solcher Moment bei Boeing. Bravo kündigt an, dass ähnliche Momente in Europa folgen – getragen von Industrie-IT und Mittelstandssoftware, die er für unterbewertet hält. Ob die Trump-Jahre daraus eine Geldschwemme für die deutsche Digitalwirtschaft machen, entscheidet nicht die Keynote in Berlin. Es entscheidet, ob Thoma Bravo hier in der Größenordnung schreibt, die in Seattle schon selbstverständlich ist, und ob Verkäufer den „wahren Wert“ wirklich verkennen, den Bravo in ihren Produkten, Teams und Kunden sieht. Bis dahin bleibt die These das, was Bravo auf der SuperReturn am liebsten verkauft: Optimismus als Geschäftsmodell.