Direktbank DKB setzt auf Fintech Upvest als Wertpapier-Partner

Die zweitgrößte deutsche Direktbank DKB kooperiert künftig mit dem Berliner Fintech Upvest, das ab dem kommenden Jahr die technische Abwicklung des Handels mit Aktien, Anleihen und ETFs übernimmt. Im Laufe der vergangenen Monate hatte die DKB-Muttergesellschaft bereits Kritik an ihrem bisherigen Partner geübt.
Der nächste große Deal für Upvest. Das Berliner Fintech soll ab 2026 das Wertpapiergeschäft der Direktbank DKB abwickeln – auch für die Bestandskunden. Dabei geht es um Kundengelder von 35 Milliarden Euro. Zum Start ziehen Neukunden zu dem neuen Partner, ab 2027 sollen auch die Bestandskunden umziehen. Die DKB will gerade mit dem Aktien- und Anleihe-Handel wachsen, hat der Chef der DKB-Mutter BayernLB Stephan Winkelmeier kürzlich verkündet.
Für Upvest ist es ein Ritterschlag. Bekannte Neobanken wie Revolut, N26, Raisin und Vivid setzen bereits auf den Brokerage-as-a-Service-Anbieter. Mit der DKB kommt nun allerdings eine der etablierten Banken hinzu. Technisch arbeitet Upvest mit der BNP Paribas und Clearstream zusammen, die Gelder werden von dem Fintech-Anbieter verwahrt. Rechtlich sind die Depots bei der DKB. In dem Setup behalten die Finanzanbieter die Kunden, müssen sich aber nicht um die Technik im Hintergrund kümmern.
Upvest löst den bisherigen Wertpapierabwickler DWP ab, die kürzlich den Upvest-Konkurrenten Lemon Markets gekauft hatten. Schon vor der aktuellen Nachricht hatte der Chef der DKB-Mutter BayernLB Winkelmeier bereits öffentlich Kritik an der DWP geäußert. Die Bank kooperiere bislang mit einem Dienstleister, der „Konditionen aufruft, mit denen wir pro Wertpapiertransaktion draufzahlen“, sagte Winkelmeier im Juli – ohne die DWP beim Namen zu nennen. Nun folgt der Wechsel zu Upvest – die DKB dürfte damit auch versuchen, die Preise zu senken. Bislang kostet ein Trade bis zu 30 Euro.
Genau diese Gebühren sind im deutschen Retailgeschäft zum Wettbewerbsproblem geworden. Neobroker wie Trade Republic und Scalable Capital haben den Wertpapierhandel für ein breites Publikum auf Cent-Beträge und Sparpläne ohne Ordergebühr heruntergebrochen. Die DKB, mit rund 5,9 Millionen Kundinnen und Kunden die Nummer zwei unter den Direktbanken, blieb im Depotgeschäft lange ein klassisches Institut: solide, digital – aber teuer, sobald jemand Aktien oder Anleihen kauft. Wer als Girokonto-Kunde dort auch anlegen soll, braucht Konditionen, die neben den App-Brokern bestehen können. Die technische Plattform entscheidet mit darüber, ob das wirtschaftlich darstellbar ist.
Für die BayernLB ist die DKB der zentrale Wachstumshebel im Privatkundengeschäft. Winkelmeier hat mehrfach betont, die Landesbank wolle über die Berliner Tochter skalieren statt über teure Zukäufe. Wertpapiere gelten dabei als zweites Ankerprodukt neben dem Girokonto: Sie binden Einlagen, erzeugen Transaktionserträge und sollen die Bank weniger abhängig vom Zinsüberschuss machen. Dafür braucht es eine Infrastruktur, die hohe Ordervolumina, Bruchteile und neue Produktformen tragen kann – ohne dass jede Innovation an Altsystemen scheitert.
Upvest, 2017 in Berlin gegründet, hat sich genau auf diese Lücke spezialisiert. Die Investment-API des Fintechs übernimmt Brokerage, Custody und Settlement als Modul, das Banken und Fintechs einbauen können. Dass nun eine Großbank mit Milliardenbestand folgt, ist für den Anbieter der Beweis, dass das Modell nicht nur bei Neobanken funktioniert. Zugleich steigt der operative Druck: 35 Milliarden Euro Kundengelder sind kein Pilotprojekt. Die gestaffelte Migration – erst neue Depots, dann der Altbestand – soll das Risiko begrenzen. Reibungslos muss der Umzug trotzdem laufen, sonst wird aus dem Ritterschlag ein Reputationsrisiko für beide Seiten.
Ob die Rechnung aufgeht, entscheidet sich an zwei Stellen. Erstens an den Preisen, die die DKB nach dem Wechsel tatsächlich verlangt: Ein Infrastrukturwechsel allein macht aus einem 30-Euro-Trade noch kein Massenprodukt. Zweitens an der Migration 2027, wenn Millionen Bestandskunden samt Positionen, Steuertöpfen und Sparplänen umziehen. Gelingt beides, hat eine etablierte deutsche Bank vorgemacht, wie sich das Wertpapiergeschäft gegen die Neobroker verteidigen lässt. Scheitert eines von beiden, bleibt Upvest ein teurer Technologiepartner – und die DKB ein Institut, das beim Handel weiter draufzahlt.