Die streitbaren Krypto-Puristen

Die streitbaren Krypto-Puristen – FinanceFWD

Die Gründer des französischen Fintechs Deblock haben schon in der Frühphase ungewöhnlich hohe Geldsummen berühmter Investoren eingesammelt. Jetzt drängen sie mit ihren Wallets nach Deutschland – und legen sich gleich mal mit einem der Platzhirsche der Branche an: Trade Republic.

Dass der Kauf einer Immobilie mühsam werden könnte, war Start-up-Gründer Jean Meyer (43) von vornherein klar. Von den konkreten Hürden machte er sich jedoch kein Bild, bis er vor ein paar Jahren daran scheiterte. Der Vorgang klingt banal und ist für Krypto-Vermögen systematisch: Wer digital reich ist, gilt vor dem Grundbuchamt und der Hausbank oft als verdächtig, nicht als solvent.

Umgerechnet rund 200.000 Euro – Geld, das er in digitaler Währung auf seinem Konto bei einer Krypto-Handelsplattform hatte – wollte er als Anzahlung für eine Wohnung in seiner Heimat Frankreich nutzen. „Das erwies sich als extrem kompliziert bis unmöglich, zumindest innerhalb eines akzeptablen Zeitraums“, erzählt Meyer. Hohe Überweisungen von Kryptobörsen lösen aufwendige Geldwäschekontrollen bei traditionellen Banken aus. „Bei dieser Summe nachzuweisen, dass es wirklich mein Geld ist, hat sich als das größte Hindernis herausgestellt.“ Meyer hat den Plan schließlich aufgegeben – und eine Geschäftsidee gefunden.

Deblock baut Wallets, die Krypto und Alltagskonto zusammendenken: Verwahrung, Transfer, möglichst ohne dass jede größere Fiat-Bewegung zum mehrwöchigen Compliance-Projekt wird. Die Gründungserzählung ist die des Gründers selbst – 200.000 Euro, die für eine Wohnung bereitlagen und trotzdem nicht ankamen. Daraus wurde ein Produktversprechen an alle, die digitale Währung halten, aber in der analogen Welt Miete, Gehalt oder Immobilienanzahlungen bewegen müssen. Genau dort, wo Banken AML-Prozesse hochfahren, will Deblock die Brücke sein.

Berühmte Investoren haben das früh und mit ungewöhnlich hohen Summen honoriert. In einer Phase, in der viele Krypto-Start-ups nach dem letzten Winter um Anschlussfinanzierungen bettelten, bekam Deblock Checks, die zur Größe des Teams nicht passen wollten – ein Vertrauensvorschuss auf Regulierung, Lizenzweg und den Massenmarkt. Das Geld war die Wette, dass Wallets mehr werden als Spekulationshüllen: Alltagsinfrastruktur für Menschen, deren Vermögen schon on-chain liegt.

Jetzt drängt die Firma nach Deutschland. Der Markt ist verlockend und verteidigt: Trade Republic hat Millionen Depotkunden an Wertpapiere, Zinsen und zuletzt auch Krypto gewöhnt und gilt als Platzhirsch der jungen Anlegergeneration. Deblock legt sich mit genau diesem Schwergewicht an – nicht als weiterer Neobroker mit Sparplan, sondern als Wallet-Ansatz, der die Krypto-Seite zum Ausgangspunkt macht und die Fiat-Welt nachzieht. Der Konflikt ist vorgezeichnet: Wer die junge, digitale Kundenbeziehung besitzt, bestimmt, wo Bitcoin, Aktien und Giro zusammenlaufen.

Meyer kennt die Gegenwehr der Banken aus der eigenen Wohnungsgeschichte. In Deutschland kommen BaFin, Geldwäschegesetz und ein Publikum hinzu, das Krypto lange als Randphänomen sah, über Trade Republic aber plötzlich in der App hat. Ein französisches Fintech mit prominentem Cap Table muss hier Lizenz, Vertrieb und Marke bauen, bevor der Platzhirsch die Schnittstelle vollständig besetzt. Der Angriff ist Teil der Expansion, nicht ein Nebenkriegsschauplatz.

Ob Deblock die 200.000-Euro-Lektion in ein deutsches Massengeschäft übersetzt, hängt davon ab, ob sich das Wallet im Alltag schneller anfühlt als die Bank und seriöser als die nächste Krypto-App. Die berühmten Frühinvestoren haben dafür ungewöhnlich tief in die Tasche gegriffen. Trade Republic wird den Markt nicht kampflos teilen. Meyer ist an einer Wohnung und 200.000 Euro gescheitert, die auf der Kryptoplattform lagen und trotzdem nicht als Anzahlung ankamen. Angetreten ist er, damit das seinen Kundinnen und Kunden nicht passiert – und damit ein französisches Wallet in Berlin mehr wird als eine Anekdote aus Paris.