Die dubiose SpaceX-Masche des AlleAktien-Gründers

Der Finanz-Influencer Michael C. Jakob ist mit dem Portal AlleAktien bekannt geworden. Sein neuester Versuch: Mit der Firma Better Markets vom Hype um SpaceX zu profitieren. Der erwartete Börsengang zählt zu den größten Kapitalmarktereignissen des Jahres – und zieht Anbieter an, die Privatanlegern den frühen Einstieg versprechen.
Der SpaceX-Börsengang schickt sich an, das größte Börsenereignis des Jahres zu werden. Dabei profitiert mutmaßlich besonders eine Gruppe: Investoren, die bereits vorher schon Anteile hielten und diese dann schnell zu Geld machen können. Ähnlich dürfte es bei den angekündigten Mega-IPOs von OpenAI oder Anthropic laufen: Wer früh mitmischt, kann vermutlich Kasse machen. Und wo immer es solche Versprechen auf schnellen Reichtum gibt, tauchen bald auch windige Akteure auf, die von der Gier der naiveren Anlegerinnen und Anleger profitieren wollen.
Genau in diesem Spannungsfeld steht Michael C. Jakob. Der Finanz-Influencer hat mit AlleAktien ein Portal aufgebaut, das Aktienanalysen an ein Massenpublikum verkauft – verständlich, meinungsstark, auf Social Media präsent. Better Markets ist der nächste Schritt: ein Vehikel, das nicht mehr nur Research zu börsennotierten Titeln verkauft, sondern den Zugang zu privatem Wachstumskapital in den Mittelpunkt rückt. Der Hype um SpaceX ist dafür der lauteste Köder. Eine Firma, die Raketen fliegt, Satelliten vernetzt und von Elon Musk geführt wird, erzeugt Nachfrage bei Leuten, die im normalen Depot niemals an die Aktie herankämen, solange das Unternehmen privat bleibt.
Das Versprechen ist alt und zieht trotzdem: Wer vor dem IPO dabei ist, kauft angeblich zum Insidertarif. In der Praxis ist der Zugang zu Anteilen von SpaceX, OpenAI oder Anthropic ein Markt für Profis – Fonds, Family Offices, Sekundärplattformen mit hohen Mindestanlagen. Sobald Anbieter diesen Traum für Privatanleger öffnen, wird es juristisch und ökonomisch eng. Was der Kunde kauft, ist oft nicht die Aktie selbst, sondern ein Anteil an einer Gesellschaft, einem Fonds oder einem vertraglichen Anspruch, der wirtschaftlich an den Wert der privaten Firma gekoppelt sein soll. Gebühren, Spreads, Lock-ups und die Frage, ob und wann ein Exit überhaupt möglich ist, entscheiden über die Rendite – nicht das Logo auf der Landingpage.
Jakob kennt die Psychologie seiner Zielgruppe. AlleAktien hat Anlegerinnen und Anlegern beigebracht, in Qualitätsaktien und lange Haltedauern zu denken. Better Markets spricht dieselbe Community auf ein Produkt an, das das Gegenteil sein kann: illiquide, intransparent, von der Laune eines späteren Börsengangs abhängig. SpaceX mag das größte Börsenereignis des Jahres werden. Daraus folgt nicht, dass jedes Vehikel, das den Namen in den Mund nimmt, denselben wirtschaftlichen Kern hat. Wer Anteile hält und nach der Notierung verkaufen kann, steht auf der anderen Seite des Trades als jemand, der über eine Plattform „dabei“ sein will.
Der Markt für solche Angebote ist in den vergangenen Monaten gewachsen, weil die Erzählung so einfach ist. OpenAI, Anthropic, SpaceX – Namen, die in jeder Timeline vorkommen. Die naivere Nachfrage trifft auf Anbieter, die Knappheit inszenieren. Das ist nicht automatisch Betrug. Es ist ein Geschäft, in dem Informationsvorsprung, Vertragsdetails und die Seriosität der Verwahrung den Unterschied machen. Gerade Influencer mit großer Reichweite tragen hier eine andere Verantwortung als ein stiller Private-Equity-Shop: Ihre Follower verwechseln Empfehlung, Werbung und Produkt oft in einem Swipe.
Ob Better Markets diesen Anspruch erfüllt, hängt nicht am Hype um Musk, sondern an der Nüchternheit der Unterlagen: Was genau wird verkauft, zu welchem Preis, mit welchen Kosten, unter welchem Recht? Der SpaceX-Börsengang wird Frühinvestoren reich machen, das ist die Logik jedes erfolgreichen Unicorn-IPO. Die Frage für Privatanleger lautet, ob sie in dieser Logik die Frühen sind – oder die Letzten, die den Traum vom frühen Einstieg noch einmal bezahlen.