Die Betrugsmasche der Firmendiebe

Kriminelle zocken Privatanleger mit lukrativen Zinsversprechen auf Fake-Webseiten ab. Dabei tarnen sie ihr Angebot mit gestohlenen Daten realer Firmen. Die Informationen stammen womöglich aus einer Datenbank der Finanzaufsicht Bafin.
Eigentlich ist Maximilian Block (43) niemand, der sich ständig selbst googelt. Dabei gibt es durchaus einiges über ihn zu lesen. Block ist eines der bekannteren Gesichter der deutschen Start-up-Szene. Er ist Gründer des Jura-Start-ups Advocado, das Menschen einfacher einen Anwalt vermitteln soll. Außerdem ist der Greifswalder als Business Angel unterwegs und in der Wirtschaftswelt seiner Heimat Mecklenburg-Vorpommern gut vernetzt.
An einem Tag im September vergangenen Jahres, am Münchner Flughafen, suchte Block dann aber doch nach sich selbst. Und nach seiner jüngsten Firma, der Valhallion Limited Partner GmbH, einem geplanten Wagniskapitalfonds, für den er in den Tagen zuvor bei möglichen Investoren auf der Konferenz Bits & Pretzels getrommelt hatte. „Und dann bin ich aus allen Wolken gefallen, als ich die Valhallion-Webseite gesehen habe“, erinnert er sich. Denn die hatte er gar nicht aufgesetzt.
Was Block sah, war die klassische Masche der Firmendiebe: eine professionell wirkende Seite, die mit dem Namen einer echten Gesellschaft wirbt, mit Impressum, Handelsregisterdaten, manchmal sogar mit Fotos und Lebensläufen der tatsächlichen Geschäftsführer. Dahinter sitzt kein Fonds und kein Kreditinstitut, sondern eine Betrugsoperation, die Privatanlegern festverzinsliche Anlagen, vermeintlich besicherte Darlehen oder „garantierte“ Renditen verspricht. Das Geld fließt auf Konten der Täter. Die echte Firma erfährt oft erst davon, wenn Geschädigte anrufen – oder wenn der Gründer am Flughafen seinen eigenen Namen googelt.
Die Tarnung ist der Kern des Geschäfts. Viele Deutsche prüfen vor einer Geldanlage wenigstens, ob die angegebene GmbH existiert. Genau das machen sich die Täter zunutze. Handelsregister, Unternehmensregister und öffentlich einsehbare Register der Finanzaufsicht liefern Namen, Adressen, Geschäftsführer, Registergericht und Aktenzeichen. Wer diese Daten 1:1 auf eine Fake-Seite kopiert, übersteht die erste Plausibilitätsprüfung. Die Informationen stammen womöglich aus einer Datenbank der Finanzaufsicht Bafin – einem Verzeichnis, das eigentlich Transparenz schaffen und Anleger schützen soll. Missbraucht wird es als Baukasten für Identitätsdiebstahl an juristischen Personen.
Die Lockangebote folgen einem Muster. Hohe Zinsen, kurze Laufzeiten, ein angeblich regulierter Sitz, Druck zur schnellen Überweisung. Auf den Seiten fehlen echte Produktinformationen, dafür gibt es Chatfenster, die Dringlichkeit erzeugen. Wer überweist, sieht das Geld selten wieder. Die echte Valhallion Limited Partner GmbH hat mit dem Angebot nichts zu tun – sie wurde als Kulisse missbraucht, gerade weil Block in München bei Investoren für einen seriösen Fonds geworben hatte. Je sichtbarer eine Firma in der Szene ist, desto besser eignet sie sich als Köder.
Für Gründer und Geschäftsführer ist der Schaden doppelter Natur. Neben dem Reputationsrisiko drohen Anzeigen, wütende Mails und die mühsame Arbeit, Hosting-Provider, Domain-Registrare und Aufsichtsbehörden zu überzeugen, dass die Seite nicht von ihnen stammt. Für Anleger ist die Lehre unbequem, aber klar: Eine echte GmbH im Impressum ist kein Qualitätsnachweis. Entscheidend ist, ob die Domain zur Firma gehört, ob die Bafin das konkrete Produkt beaufsichtigt und ob die Zahlungswege zu dem Institut passen, das angeblich hinter der Anlage steht.
Block hat seine Firma nicht als Anlageprodukt an Privatanleger verkauft. Die Fake-Seite tat so, als täte sie genau das. Dass Kriminelle dafür öffentlich zugängliche Firmendaten – womöglich ausgerechnet aus einer Aufsichtsdatenbank – zusammenmontieren, zeigt, wie dünn der Schutz durch Transparenz ist, wenn niemand die Kombination aus Name, Domain und Versprechen prüft. Die Firmendiebe brauchen keine Insider. Sie brauchen ein Register, eine Domain und ein Zinsversprechen, das zu gut klingt, um wahr zu sein.