Deutscher Fintech-Gründer im Silicon Valley: Myriad AI sammelt 7,8 Millionen Dollar ein

Der Job bei Google brachte Ralf Schonherr vor sieben Jahren in die USA. Nun gründet er dort eine Software-Lösung, die gerade hochregulierten Unternehmen wie Banken zugutekommen soll. Myriad AI erhält eine Seedfinanzierung. Prominente deutsche Fintech-Köpfe sitzen im Beirat.
Die US-Firma Myriad AI erhält 7,8 Millionen Dollar Seed als Finanzierung für ihr Compliance-Tool. Angeführt wurde die Finanzierung von Category Ventures. Zudem ist Long Journey Ventures eingestiegen, bei dem Arielle Zuckerberg Partnerin ist – die Schwester von Meta-Chef Mark Zuckerberg. Es dürfte sich auch Geld der Familie in dem Fonds befinden. Ansonsten haben unter anderem der deutsche Investor Caesar VC und ein Github-Mitgründer investiert.
Der deutsche Ralf Schonherr hat Myriad AI zusammen mit Jan Spidlen gegründet. Ändern sich beispielsweise Cybersecurity-Vorschriften, wird dies einer Bank direkt durch die Software angezeigt. Auch Marketing-Materialien lassen sich damit direkt überprüfen, ob sie auch den aktuellen Standards des Verbraucherrechts entsprechen. Da die Vorgaben in den vergangenen Jahren gestiegen sind, dürfte die Nachfrage nach entsprechenden Tools steigen. Bei Google X habe Schonherr das erste Mal mit Sprachmodellen gearbeitet und er habe erkannt, wie mächtig die Lösungen eines Tages werden könnten. Gleichzeitig hätten sein Mitgründer und er in großen Unternehmen gearbeitet und „dort aus erster Hand erlebt, wie schwerfällig und teuer die Umsetzung neuer Compliance-Anforderungen sein kann“.
Das Potenzial sehen offenbar auch weitere Fintech-Köpfe aus Deutschland so. Der ehemalige Solaris-Manager Jörg Diewald sitzt im Beirat der Firma, genauso wie James Freis, Compliance-Experte und aktueller Aufsichtsrat von Solaris. Ihre Namen sind für Bankenleser ein Qualitätssiegel – und für Myriad die Eintrittskarte in Häuser, die Pitchdecks ohne Aufsichtserfahrung nicht öffnen.
Compliance ist das ungeliebte Wachstumsmarktsegment der Finanzbranche. Jede neue Richtlinie zu Cyber, Verbraucherschutz, Geldwäsche oder Werbung erzeugt in Banken Projektstaus, Kanzleirechnungen und die Angst vor der nächsten Prüfung. Myriad AI verspricht, die Lücke zwischen Gesetzestext und operativer Umsetzung mit Modellen zu schließen: Delta erkennen, Marketing prüfen, die Linie im Haus alarmieren, bevor die Aufsicht es tut. 7,8 Millionen Dollar Seed sind dafür das klassische US-Paket – genug für Produkt und erste Bankenpiloten, nicht für den Anspruch, Regulation zu ersetzen.
Die Cap Table ist ein Signal nach Silicon Valley und nach Berlin. Category Ventures führt. Long Journey Ventures zieht den Zuckerberg-Namen in den Deal, ohne dass daraus ein Meta-Produkt würde; Familienkapital in einem Fonds ist in Kalifornien Alltag. Caesar VC hält die deutsche Brücke. Ein GitHub-Mitgründer im Round unterstreicht den Infrastruktur-Blick: Compliance-Software ist näher an Entwicklerwerkzeugen als an einer weiteren Banking-App. Schonherrs Google-X-Erfahrung mit Sprachmodellen ist die technische Herkunft; Spidlen und er als Großkonzern-Insider sind die Glaubwürdigkeit gegenüber Risikomanagern, die keine Demo aus einem Hackathon kaufen.
Diewald und Freis im Beirat sind die Übersetzung ins deutsche Bankensystem. Solaris steht für Banking-as-a-Service unter scharfer Aufsicht; wer dort Verantwortung trug oder im Aufsichtsrat sitzt, kennt die Kosten einer verpassten Anforderung. Ihr Name auf der Advisory-Liste sagt Zielkunden, dass Myriad nicht nur englische Policy-PDFs parst. Ob die Software in der Fläche hält, was der Satz von der Schwerfälligkeit verspricht, ist die eigentliche Due Diligence: Falsch-Positive in der Werbung, Lücken in der Cyber-Map, Haftung, wenn das Modell irrt.
Schonherr ging für Google in die USA und gründet dort, weil Kapital, Modelle und der Appetit auf vertikale KI tiefer sind als in München. Die Seed-Runde holt deutsche Fintech-Governance trotzdem in den Board-Kalender: Diewald und Freis kennen den Preis einer verpassten Auflage aus dem Solaris-Kosmos. 7,8 Millionen Dollar später muss Myriad beweisen, dass Vorschriften sich maschinell überwachen lassen – und dass Banken dafür zahlen, bevor sie wieder eine Beratungsarmee aufbauen.