Das üppige Vergütungspaket des neuen N26-Chefaufsehers

Das üppige Vergütungspaket des neuen N26-Chefaufsehers – FinanceFWD

Der neue Aufsichtsratschef Andreas Dombret kassiert bei N26 neben den Bezügen als Kontrolleur noch ein ungewöhnliches Beraterhonorar. Insgesamt verdient er so viel wie die Granden der Dax-Welt. Und auch der neue CEO der Digitalbank dürfte ordentlich verdienen.

Andreas Dombret (65) hat es nicht so gern, wenn man seine Karriere auf seine Zeit bei der Bundesbank reduziert. Acht Jahre saß er dort im Vorstand und verantwortete Bankenaufsicht, Finanzstabilität und Märkte. Zuvor hat er allerdings gut zwei Jahrzehnte bei großen Finanzkonzernen wie J.P. Morgan oder Bank of America gewirbelt. Er flicht das gern in Unterhaltungen ein. Dombret galt damals als einer der tatkräftigsten Investmentbanker Frankfurts, der auch entsprechend bezahlt wurde.

Was das Geld betrifft, ist er jetzt zu seinen Wurzeln zurückgekehrt. Als Aufsichtsratschef der Berliner Digitalbank N26 hat Dombret für sich ein äußerst üppiges Vergütungspaket ausgehandelt – und dürfte im kommenden April einen ebenfalls sehr gut verdienenden neuen CEO ins Amt bringen. Die Konstruktion ist ungewöhnlich: Neben den Bezügen als Kontrolleur fließt ein Beraterhonorar. Zusammen erreicht das Paket eine Größenordnung, wie sie sonst Vorsitzende großer Dax-Aufsichtsräte kennen, nicht die Kontrolleure einer noch immer als Start-up wahrgenommenen Neobank.

Der Doppelcharakter ist der Kern der Geschichte. Ein Aufsichtsratschef soll die Geschäftsleitung überwachen, nicht parallel als bezahlter Ratgeber an ihr verdienen. Genau diese Trennung weicht N26 auf. Dombret bringt das Gewicht eines Ex-Bundesbankers mit, der Aufsicht, Stabilität und Märkte von der anderen Seite des Tisches kennt – und lässt sich das in zwei Töpfen vergüten. Für die Bank ist das der Preis, ein Schwergewicht zu halten. Für die Governance ist es ein Spagat: Dieselbe Person, die den Vorstand kontrolliert, berät ihn gegen Honorar.

In der Dax-Welt sind millionenschwere Aufsichtsratsvorsitze und getrennte Beratungsmandate großer Kanzleien oder Ex-Vorstände ein bekanntes Spiel, oft mit Veröffentlichungspflicht und Hauptversammlungsdebatte. N26 ist nicht börsennotiert, die Vergleichsgröße „Granden der Dax-Welt“ ist deshalb eine Ansage: Die Digitalbank zahlt, als wäre sie schon im Index, obwohl sie weiter unter besonderer aufsichtlicher Beobachtung steht. Dombret, der acht Jahre Bankenaufsicht verantwortete, kennt die Erwartungen an Unabhängigkeit von Kontrollgremien so gut wie kaum ein anderer im Rat.

Der neue CEO, der im April kommen soll, fügt sich in dasselbe Bild. Wer die operative Verantwortung für N26 übernimmt, steigt nicht in ein Sparmodell ein. Ordentlich verdienen heißt: Die Bank akzeptiert, dass Führung auf dem Markt für erfahrene Bankmanager teuer ist – teurer als in der frühen Gründerphase, als Equity die Währung war. Dombret als Chefaufseher verhandelt und begleitet diesen Wechsel; sein eigenes Paket setzt die Messlatte.

Für Investoren ist das zweischneidig. Einerseits signalisiert üppige Bezahlung, dass N26 um etablierte Namen kämpft und sie halten will. Andererseits frisst Governance, die wie im Dax kostet, Marge in einem Institut, das Profitabilität und regulatorische Ruhe braucht. Das Beraterhonorar neben dem Aufsichtssitz bleibt der auffälligste Posten: legal gestaltbar, optisch heikel, in der Summe so hoch, dass der Vergleich mit den Dax-Granden nicht als Stilblüte, sondern als Maßzahl gemeint ist.

Dombret wollte nie auf die Bundesbank reduziert werden. Bei N26 wird er auf das Paket reduziert werden, das er sich gesichert hat – Kontrollbezüge plus Beratung, Dax-Niveau, und ein neuer CEO ab April, der ebenfalls nicht zum Tarif der frühen Neobank-Jahre antritt. Die Digitalbank kauft sich Erfahrung, Aufsichtsrhetorik und ein Gesicht, das in Frankfurt niemand erklären muss. Sie zahlt sie wie ein Konzern – inklusive des ungewöhnlichen Beraterhonorars neben dem Chefposten im Rat.