Das milliardenschwere Bitcoin-Business der Mullahs

Nach Einführung der Sanktionen schuf das iranische Regime ein Bitcoin-Programm. Es nutzt die unverkäuflichen Energieschätze fürs Krypto-Mining. Experten sprechen von „Ölwäsche auf der Blockchain“. Jetzt setzt der Krieg die Schattenwirtschaft unter Druck.
Bevor er von Verhandlungen über ein Ende des Krieges sprach, hatte US-Präsident Donald Trump (79) dem iranischen Regime noch ultimativ gedroht. Sollte Iran die für den globalen Ölhandel so wichtige Straße von Hormus im Persischen Golf nicht freigeben, werde er die Stromversorgung des Landes attackieren. Die USA würden Irans Kraftwerke angreifen, beginnend mit dem „größten“, verkündete Trump am Sonntag. Ein solcher Schlag würde schwerwiegende Folgen für Bevölkerung und Wirtschaft des Landes haben. Und er würde wohl auch einen Bereich treffen, der in den vergangenen Jahren zu einer wichtigen Einnahmequelle des Regimes geworden ist: das iranische Bitcoin-Programm.
Die Logik dieses Programms ist so einfach wie zynisch. Sanktionen machen iranisches Öl und Gas auf den Weltmärkten schwer verkäuflich. Strom aus unverkäuflichen Energieträgern lässt sich im Land selbst verbrauchen. Bitcoin-Mining ist im Kern der Verkauf von Elektrizität in eine digitale, grenzüberschreitende Einheit. Wer billige Kilowattstunden in Rechenzentren steckt und die geschürften Coins über Mittelsmänner in die globale Krypto-Liquidität einspeist, umgeht den Tanker und die Dollar-Clearingstelle. Genau das meinen Experten mit „Ölwäsche auf der Blockchain“: Energie, die offen nicht exportiert werden darf, verlässt das Land als Hashrate und kommt als Kryptowährung wieder.
Für das Regime ist das attraktiver als Schmuggel mit Kanistern. Mining-Farmen lassen sich an Kraftwerken bündeln, lizenzieren, abschalten, wieder hochfahren. Der Staat kann Stromzuteilung als Hebel nutzen – gegen private Miner, zugunsten eigener Strukturen. Die Einnahmen sind milliardenschwer genug, um in einer sanktionierten Volkswirtschaft als strategische Reserve zu gelten, auch wenn sie schwanken wie der Bitcoin-Kurs. Die Blockchain ersetzt nicht den Ölmarkt. Sie macht aus gestrandeteter Energie ein handelbares Asset.
Trumps Drohung gegen die Kraftwerke trifft deshalb einen doppelten Nerv. Stromausfall wäre eine humanitäre und industrielle Katastrophe. Zugleich wäre er ein Schlag gegen die Infrastruktur, die das Mining überhaupt möglich macht. Ohne zuverlässige, billige Energie stirbt das Programm schneller als durch eine Sanktionsrunde gegen Wallets. Der Krieg setzt die Schattenwirtschaft unter Druck, weil er die physische Voraussetzung angreift, nicht nur die Adressen auf der Blockchain.
Die Straße von Hormus bleibt dabei die größere globale Gefahr. Ein geschlossener Ölhahn treibt Preise, Inflation, Notenbanken. Das iranische Bitcoin-Geschäft ist in diesem Tableau eine Nebenbühne – relevant für die Finanzierung des Regimes, unsichtbar für den Autofahrer in Europa, verwundbar über das Stromnetz. Verhandlungen über ein Kriegsende und Drohungen gegen Kraftwerke gehören für Trump zur selben Eskalationsleiter. Für Teheran ist der digitale Export von Energie der Versuch, trotz Isolation liquide zu bleiben.
Dass ausgerechnet Bitcoin das Ventil wurde, liegt an der Natur der Währung: keine Bank dazwischen, 24-Stunden-Markt, eine Infrastruktur, die Sanktionslisten nur unvollständig abdecken. Mining verbindet die physische Welt der Kraftwerke mit der digitalen der Börsen. Wer die Turbinen trifft, trifft die Rechner. Wer nur Wallets listet, lässt die Farmen laufen. Deshalb ist Trumps Satz vom größten Kraftwerk für das Programm gefährlicher als manche Finanzsanktion.
Ölwäsche auf der Blockchain funktioniert, solange die Kraftwerke laufen und die Coins einen Käufer finden. Der Krieg macht beides unsicherer. Das milliardenschwere Bitcoin-Business der Mullahs war die Antwort auf Sanktionen. Es könnte das nächste Opfer einer Eskalation werden, die nicht in der Wallet beginnt, sondern im größten Kraftwerk des Landes – genau dort, wo Trump angesetzt hat. Die Schattenwirtschaft braucht Strom. Der Krieg nimmt ihn.