Ehemaliger KI-Chef von Check24 wird Partner bei Flex Capital

Bernhard Langwallner heuert als Partner beim Private-Equity-Fonds Flex Capital an. Er kommt vom Vergleichsportal Check24, wo er zuletzt als KI-Chef tätig war.
Der auf Software-Mittelständler spezialisierte Fonds Flex Capital holt mit Bernhard Langwallner einen neuen Partner an Bord. Der 44-Jährige war zuvor in unterschiedlichen Leitungsfunktionen beim Vergleichsportal Check24 tätig – in seiner letzten Position führte er die KI-Einheit des Münchner Unternehmens.
Langwallner soll die Portfoliounternehmen des Private-Equity-Fonds dabei unterstützen, KI stärker in ihr Geschäft zu integrieren, beispielsweise bei der Prototypentwicklung. Künstliche Intelligenz sei „kein theoretisches Thema, sondern ein konkreter Hebel für den Mittelstand“, lässt sich Christoph Jost, Managing Partner bei Flex Capital, zitieren. Er hat den Fonds unter anderem mit dem Szenekopf Felix Haas gestartet. Der Satz ist die neue Due-Diligence-Formel: Wer Software im Mittelstand kauft, muss erklären, wo Modelle Kosten senken – sonst bleibt nur der alte Hebel aus Preis und Zukauf.
Der Fonds hat in den vergangenen Monaten beispielsweise in die Softwareanbieter Evo IT oder 3C Deutschland investiert. Anfang des Jahres beteiligte sich die Firma zudem an Simovative, einem führenden Anbieter für Campus-Management-Software. 11 Firmen sind im Portfolio des Fonds, der rund 400 Millionen Euro verwaltet. Das ist bewusst keine Streuung über fünfzig Labels, sondern eine überschaubare Bank, in der ein neuer Partner jede Gesellschaft noch erreichen kann – Prototyp für Prototyp, nicht per Rundmail.
Die Personalie trifft einen Nerv der deutschen Private-Equity-Szene. Buy-out-Häuser, die sich auf Software für den Mittelstand spezialisiert haben, kaufen keine Plattformen mit Silicon-Valley-Multiples, sondern profitable Nischenanbieter: Campusverwaltung, Branchen-IT, Tools, die in Verwaltungen und Betrieben laufen und selten auf Konferenzen gefeiert werden. Der Hebel nach dem Closing war lange Pricing, Vertrieb und Buy-and-Build. Nun soll es die KI sein – nicht als Pitchdeck, sondern als Feature, das Support entlastet, Onboarding beschleunigt und Prototypen verkürzt. Wer das intern nicht vorlebt, bleibt auf teuren Beratern sitzen.
Langwallner bringt genau diese Betriebserfahrung mit. Check24 ist kein Labor, sondern ein Maschinenraum aus Vergleich, Abschluss und Regulierung; die KI-Einheit eines solchen Konzerns muss Modelle in Produkte bringen, die Millionen Nutzer und strenge Aufsicht aushalten. Prototypentwicklung, von Jost als Beispiel genannt, ist der unspektakuläre Teil: interne Copiloten, Automatisierung von Dokumenten, bessere Suche in Altsystemen. Für ein Portfolio aus elf Softwarefirmen mit zusammen überschaubarer Größe kann ein Partner, der Code, Organisation und Mittelstandssprache kann, mehr wert sein als ein weiterer Deal-Sourcer.
Flex Capital bleibt dabei ein klassischer DACH-Fonds: rund 400 Millionen Euro, konzentriertes Portfolio, Haas als öffentlichkeitswirksamer Mitstreiter, Jost als Managing Partner. Die jüngsten Deals – Evo IT, 3C Deutschland, Simovative – zeichnen das Raster: digitale Prozesse für Organisationen, die keine Start-ups sind. Campus-Management etwa ist klebrig, reguliert und internationalisierbar, wenn man die Lokalisierung beherrscht. KI ändert daran die Kostenseite, nicht unbedingt die Marktlogik. Wer glaubt, ein Mittelständler werde über Nacht zum Foundation-Model-Anbieter, hat den Fonds nicht verstanden.
Für Langwallner ist der Wechsel vom Konzern ins Beteiligungsgeschäft der übliche zweite Akt deutscher Digitalkarrieren – nur dass diesmal nicht das nächste Start-up gegründet, sondern elf bestehende Firmen umgebaut werden sollen. Der Satz vom konkreten Hebel ist die Botschaft an Verkäuferfamilien und Management-Teams: Flex kauft nicht nur Multiples, sondern verspricht Produktivität. In der Praxis heißt das Roadmaps in Häusern, deren Kunden Kommunen, Hochschulen oder Branchenbetriebe sind und die keine ML-Abteilung haben. Prototypen müssen in bestehende Oberflächen, nicht in Folien. Ob das die Exit-Bewertungen hebt, zeigt sich erst, wenn Copiloten Supportkosten senken und neue Module Umsatz bringen. Bis dahin hat der Fonds einen Check24-Mann als Partner – und der deutsche Software-Mittelstand einen weiteren Käufer, der künstliche Intelligenz zur Bedingung des nächsten Haltezeitraums macht.