Berliner Fintech Bunch sammelt 35 Millionen Euro ein

Mit neuem Funding will Bunch expandieren. Renommierte Wagniskapitalgeber organisieren ihre Fonds bereits mit dem Service des Finanz-Start-ups – der Wachstumskurs soll weitergehen.
Das Berliner Fintech Bunch hat Kapital in Höhe von 35 Millionen US-Dollar (30 Millionen Euro) erhalten. Die Serie-B-Runde wird vom Fintech-Investor Portage angeführt, neu beteiligt ist zudem Illuminate Financial. Die früheren Geldgeber Motive Partners, Cherry Ventures und Fintech Collective beteiligen sich erneut.
Bunch, 2021 von Enrico Ohnemüller und Levent Altunel gegründet, bietet eine Plattform für Private-Equity- und Venture-Capital-Firmen, die damit ihre Fonds managen können. Die Software ist in der Lage, Fondsdokumente auszulesen, Daten zu extrahieren und zu strukturieren – das soll die Arbeit der Geldgeber massiv vereinfachen. Nach eigenen Angaben nutzen über 150 Fondsmanager die Plattform. Dazu zählen etwa Passion Capital, Hummingbird VC, Redstone, Antler oder Merantix.
Das klingt nach einem Nischenwerkzeug, ist aber ein Engpass des gesamten privaten Kapitalmarkts. Wer einen Fonds auflegt, ertrinkt in Subscription Documents, Capital Calls, Ausschüttungen, Side Letters und Reportings an Limited Partners. Vieles davon liegt in PDFs, E-Mails und Excel-Tabellen. Genau dort setzt Bunch an: Dokumente lesen, Daten standardisieren, den Fondsalltag von der Verwaltung in die Software ziehen. Für kleine und mittlere VC-Teams, die keine eigene Armee an Fund-Ops-Leuten beschäftigen wollen, ist das der Unterschied zwischen skalieren und im Backoffice stecken bleiben.
Dass ausgerechnet Portage die Runde anführt, passt zum Produkt. Der Investor kennt Finanzinfrastruktur und weiß, dass Software, die einmal in den Fondsprozess eingebaut ist, selten wieder auszieht. Illuminate Financial als neuer Name unterstreicht die Richtung: Spezialkapital für Capital-Markets-Technologie, nicht Lifestyle-Fintech. Die Rückkehr von Motive Partners, Cherry Ventures und Fintech Collective signalisiert, dass die bestehenden Gesellschafter den 35-Millionen-Schritt mitgehen – 30 Millionen Euro, die in einem schwierigeren Funding-Klima für Berliner B2B-Fintechs nicht selbstverständlich sind.
Mit dem neuen Investment will Bunch seine Marktexpansion beschleunigen, die Technologie ausbauen sowie sein Team erweitern. Der Fokus liegt auf den europäischen Märkten Deutschland, Großbritannien und Luxemburg. Die Auswahl ist kein Zufall. Deutschland liefert Gründer und den Home-Markt, London bleibt der große europäische VC-Platz, Luxemburg ist die juristische Heimat unzähliger Fondsstrukturen. Wer diese drei Geographien in einer Plattform abbildet, kann denselben Kunden von der First-Close-Dokumentation bis zum europäischen Dachfonds begleiten.
Zu den Konkurrenten zählt das französische Unternehmen Roundtable. Der Wettlauf um die Betriebssysteme der Fondsmanager hat begonnen, weil Private Markets weiter institutioneller werden: mehr Reporting, mehr Regulierung, mehr Limited Partners, die dieselben Dashboards erwarten wie im liquiden Geschäft. Bunch hat mit 150 Fondsmanagern eine Basis, die sich in Referenzlisten sehen lassen kann. Das frische Kapital soll daraus einen Standard machen – nicht ein weiteres Tool in einem überfüllten Stack.
Fund-Ops klingt unsexy und ist genau deshalb ein gutes Geschäft. Jede neue Fondsgeneration erzeugt dieselben Dokumente, nur mehr davon. Wer die Daten einmal strukturiert hat, kann Capital Calls, Wasserfälle und LP-Reporting aus derselben Quelle speisen. Das ist näher an Kernbankensoftware als an einer schicken Gründer-App – und erklärt, warum Spezialisten wie Portage und Illuminate Financial zahlen, während allgemeine Konsum-Fintechs hungern.
Serie B ist in diesem Markt die Phase, in der aus einer beliebten Ops-Software Infrastruktur wird. Ohnemüller und Altunel haben drei Jahre nach der Gründung das Geld und die Investoren, um genau das zu versuchen. Ob Bunch oder Roundtable die Nase vorn behält, entscheiden nicht die Pressemitteilungen, sondern die Fonds, die ihre nächste Generation nicht mehr ohne die Plattform schließen wollen. 35 Millionen Dollar sind dafür Treibstoff – kein Selbstläufer.