Ehemaliger Billie-Technikchef heuert bei KI-Fintech Today an

Ehemaliger Billie-Technikchef heuert bei KI-Fintech Today an – FinanceFWD

Artem Demchenkov fängt bei dem KI-Fintech Today als CTO an, zuvor war er unter anderem beim Finanz-Start-up Billie tätig. Today entwickelt eine Software für Finanzberater – und hat kürzlich dafür Millionen eingesammelt.

In der Startphase fungierte Artem Demchenkov beim Finanzierungs-Start-up Billie als Technikchef – und blieb viereinhalb Jahre. Nach der Gründung einer Data-Firma kommt er nun in die Fintech-Welt zurück und wird die KI-Software Today aufbauen und als CTO mit leiten. Der Wechsel ist ungewöhnlich klar gezeichnet: erst Kreditplattform, dann Daten, dann die vertikale KI für denselben regulierten Vertrieb, den Billie von der Finanzierungsseite kannte.

Michael Gackstatter, einer der ersten Mitarbeiter des Versicherungs-Start-ups Clark, hat Today in Kopenhagen gegründet. Die Firma entwickelt eine Software, die sich an Finanzberater und Makler richtet. Mit den Tools lassen sich auf die Finanzbranche zugeschnittene Transkripte erstellen. Zusätzlich werden die Makler gecoacht, wie sie besser beraten können. Rund fünf Stunden Arbeit soll das Tool jedem Nutzer pro Woche sparen.

Erst kürzlich hat das Finanz-Unternehmen eine Finanzierungsrunde eingesammelt, unter anderem von Lucid Capital und diversen Business Angels wie beispielsweise Alexandros Bottenbruch von Paypal Ventures, Daniel Glaremin von Clark oder dem Finfluencer „Versicherungen mit Kopf“. Die Summe bleibt im Millionenbereich, passend zu einem frühen Produkt, das Maklerbüros einzeln überzeugen muss – nicht zu einer horizontalen KI, die die halbe Wirtschaft adressiert.

Der Markt, den Gackstatter angreift, ist unsexy und groß: Zehntausende Vermittler in Deutschland und Europa dokumentieren Beratungsgespräche, weil Aufsicht und Haftung es verlangen, und verlieren dabei den Nachmittag. Generische KI-Schreiber kennen weder Produktwelten noch Wohlverhaltensregeln. Eine Branchen-Software, die Transkripte baut und zugleich coacht, zielt auf genau diese Reibung – und auf den Satz, der Vertrieb schließt: fünf Stunden weniger pro Woche. Ob die Zahl bei jedem Maklerbüro ankommt, muss sich in der Nutzung zeigen. Als Pitch gegenüber Lucid Capital und Angels, die Clark, PayPal Ventures und die Influencer-Ökonomie der Versicherungswelt kennen, ist sie klar genug.

Demchenkovs Weg passt zum Produkt. Billie, der Berliner Rechnungskäufer für den Mittelstand, war in der Startphase ein klassisches Credit-Fintech: Risiko, Bankpartner, Technik unter Druck. Viereinhalb Jahre CTO dort bedeuten, Systeme gebaut zu haben, die Ausfall, Compliance und Skalierung gleichzeitig tragen. Die anschließende Data-Firma war der Abstecher in Modelle und Pipelines. Today holt ihn zurück, weil eine Beratungs-KI ohne belastbare Architektur schnell zur Demo verkommt – transkribiert schön, speichert unsicher, scheitert an der nächsten BaFin-Frage zur Datenverarbeitung.

Gackstatter kennt die andere Seite aus der Clark-Frühzeit: Versicherungsprodukte, Provisionen, die Mühsal, Beratung digital zu machen, ohne den Vermittler zu ersetzen. Today positioniert sich nicht als Robo-Advisor, sondern als Werkzeugkasten für Menschen, die weiter am Tisch sitzen. Das ist in Europa der realistischere Weg. Regulierung schützt den Beraterstatus, Kunden wollen Erklärungen, Makler brauchen Tempo. Eine Software aus Kopenhagen, die deutschsprachige Finanzsprache kann, hat deshalb einen Hebel, den allgemeine US-Tools so nicht haben.

Die Runde mit Lucid Capital und einem Angel-Mix aus Venture, Insurtech und Reichweite ist kein Mega-Round, sondern Treibstoff für Produkt und Vertrieb. Millionen, nicht Hunderte Millionen: passend zu einem vertikalen SaaS, das Büros einzeln gewinnen muss. Bottenbruch, Glaremin und „Versicherungen mit Kopf“ signalisieren, dass die Szene das Problem für echt hält – Dokumentation, Coaching, Zeit. Demchenkov soll es technisch hart machen: Daten residieren lassen, Modelle justiziabel halten, Schnittstellen zu den Bestandsystemen der Vermittler bauen, statt einer weiteren Chatmaske. Wenn Today die fünf Stunden hält, wird aus einem Kopenhagener Tool ein Standard auf deutschen Maklerschreibtischen. Wenn nicht, bleibt es eine weitere KI, die Gespräche mitschreibt und den Nachmittag nicht zurückgibt.