1000 Scam-Anzeigen mit Frank Thelen

1000 Scam-Anzeigen mit Frank Thelen – FinanceFWD

Auf Instagram und Facebook werben Kriminelle mit Fakeanzeigen von Promis wie Frank Thelen für betrügerische Geldanlagen. Es ist ein Milliardengeschäft – auch für Meta. Eine exklusive Auswertung zeigt, wie groß das Problem ist. Und wie langsam der Konzern reagiert.

Knapp tausendmal haben Kriminelle in den vergangenen drei Monaten eine Werbeanzeige mit Frank Thelen (50) bei Instagram oder Facebook geschaltet. Der Start-up-Investor – bekannt aus der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ – wirbt in diesen Anzeigen vermeintlich für Geldanlagetipps. „Nvidia verpasst? Kein Problem – das Hauptgericht kommt erst noch!“, heißt es dort etwa. Dabei hat Thelen weder mit der Werbung noch mit den Anlagetipps etwas zu tun. Sein Gesicht, sein Name, seine Prominenz aus dem Prime-Time-Investorenfernsehen werden zur Kulisse eines Betrugs, der darauf spekuliert, dass Zuschauerinnen und Zuschauer die Löwen für vertrauenswürdig halten.

Kriminelle verwenden ohne dessen Einverständnis ein Bild oder den Namen des Promis, um ihre Opfer in teils ausgeklügelte Betrugssysteme zu locken. Die Masche ist eingespielt: Die Anzeige verspricht den nächsten Nvidia-ähnlichen Treffer, ein Klick führt auf eine Landingpage oder in den Messenger, dort wartet vermeintliche Beratung, oft mit Dringlichkeit und persönlichen Ansprechpartnern. Am Ende sollen Opfer Geld überweisen oder Krypto kaufen. Die erbeuteten Geldbeträge verschwinden am Ende für immer über Kryptoplattformen – über Ketten, die sich nur schwer zurückverfolgen lassen, sobald die erste Transferstation sitzt.

Thelen ist kein Einzelfall, sondern der Zählpunkt einer Methode. Prominente aus Wirtschaftsshows, Sport und Unterhaltung tauchen in denselben Feeds auf, immer im Gewand seriöser Geldanlage, immer ohne Einverständnis. Die Löwen-Bekanntheit macht Thelen für Täter besonders wertvoll: Wer ihn aus dem Fernsehen kennt, verbindet das Gesicht mit Investments, die auf Sendung millionenschwer wirken. „Nvidia verpasst?“ dockt an echte Marktgeschichten an. Das Hauptgericht, das danach serviert wird, ist der Betrug.

Eine Auswertung der Anzeigenströme zeigt, wie groß das Problem ist – und wie langsam der US-Konzern Meta, der hinter Instagram, Facebook und WhatsApp steht, auf die Betrugsversuche reagiert. Knapp tausend Thelen-Anzeigen in drei Monaten sind keine Pannenquote, sondern ein industrieller Takt. Jede Schaltung läuft durch dieselben Werbesysteme, die Marketer für Sneakers und Streaming-Abos nutzen. Meta verdient an Reichweite; die Kriminellen verdienen an den Opfern. Deshalb ist es ein Milliardengeschäft – auch für den Konzern, dessen Plattformen den Trichter bilden, selbst wenn einzelne Fakeanzeigen später gelöscht werden.

Die Langsamkeit ist Teil des Geschäftsmodells der Täter. Solange Prüfung, Meldung und Entfernung hinter dem Schaltvolumen hinterherhinken, bleibt ein Fenster, in dem die Nvidia-Sprüche laufen, Opfer klicken und Krypto abfließt. Thelen kann sich öffentlich distanzieren, Anwälte einschalten, Hinweise posten – gegen knapp tausend Anzeigen in einem Quartal kommt ein Einzelner nicht an, wenn das Netzwerk nicht priorisiert. WhatsApp, Instagram und Facebook greifen ineinander: Werbung draußen, Chat drinnen, Verschwinden der Spur über Krypto am Ende.

Aufsicht und Verbraucherschützer kennen das Muster seit Jahren. Trotzdem bleibt die praktische Hürde hoch: Fakeanzeigen sind billig, Identitäten austauschbar, die Promi-Motive kopierbar. Solange Meta Reichweite verkauft, bevor es Identität und Anlageversprechen prüft, bleibt Frank Thelen – und jeder, der in Deutschland für unternehmerischen Erfolg steht – ein wiederverwendbares Motiv. Die knapp tausend Schaltungen sind die Messgröße. Die verschwundenen Kryptobeträge sind der Schaden.

Für Anlegerinnen und Anleger ist die Regel nüchtern: Wer Thelen, Nvidia und einen Telegram-Tipp in einer Facebook-Anzeige kombiniert sieht, sieht keinen Löwen-Deal. Er sieht eine Falle, die ohne Einverständnis mit fremdem Gesicht wirbt. Der Konzern hinter den Plattformen reagiert langsam. Die Täter nicht. Knapp tausend Thelen-Anzeigen in drei Monaten sind der Beleg.